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Interview 2009
Oldenburg.
Musikalisch kaum zu fassen, geschweige denn zu beschreiben, reißen die Berliner
17 Hippies gerne alle Genre-Grenzen ein und geben sich vollkommen weltoffen. Und
das ist wörtlich zu nehmen: Zu ihrem Konzert am Mittwoch, 16 September in der
Kulturetage kommen sie gerade aus der USA - von ihrem mittlerweile sechsten
Abstecher über den großen Teich. Vorher sprachen wir noch mit Kiki Sauer
(Akkordeon und Gesang).
Ihr seid mittlerweile
weltweit unterwegs!
Ja, wir machen uns gerne unser eigenes Bild von den Menschen
– und uns sind da auch immer wieder die Augen geöffnet worden. Zum Beispiel,
wie viele und tolle Musiker es im „Melting Pot“ USA gibt, einem Land, das
unserer musikalischen Vielseitigkeit ohnehin am nächsten kommt. Oder dass die
Leute in China eben kein Regime sind, sondern einfach Menschen, oder auch in
Algerien nicht Terroristen leben, sondern unglaublich begeisterungsfähige,
dankbare junge Menschen. Es kommen nicht so sehr viele junge Bands auf die
Idee, in Algerien zu touren. Sollte man aber drüber nachdenken, auch für den
eigenen Erfahrungshorizont! Da bringen
wir natürlich immer sehr viel mit, was sich auch in unserer Musik widerspiegelt.
Apropos multikulti -
seid ihr alle Deutsche?
Ja, und die Hälfte auch richtige Berliner. Viele kommen aus
der Rockmusik oder aus dem Jazz, aber irgendwann haben wir einfach gemerkt, als
die Mauer fiel, was für interessante Musikströmungen da auch aus dem Balkan in
die Stadt kamen und was für gute Musik sich ganz einfach mit akustischen
Instrumenten – und darunter auch noch so ungewöhnliche wie Akkordeon oder
Posaune produzieren lässt. Rückblickend kann man eigentlich sagen, wir haben
unsere musikalische Identität gesucht und gefunden – was für uns Deutsche gar
nicht so leicht ist, da haben es die Franzosen z.B. sehr viel leichter.
Was also musikalisch
dabei herausgekommen ist, war Euch nie im Voraus klar?
Nein, wir waren völlig offen, was für Einflüsse wir mit
reinbringen – ein friesisches Akkordeon oder hessische Mundart – und das
bringen wir so, dass es passt, weil es in uns lebt. Da geht es auch nicht um
technische Perfektion, sondern um das Authentische. Wir haben auch nicht die
Band gegründet, um damit um die Welt zu touren, sondern aus Lust und Laune.
Es gibt Instrumentalstücke,
Songs, vertonte Texte, traditionellen Klezmer und vieles mehr – ist das die
Vielseitigkeit Berlins musikalisch vertont?
Berlin ist noch viel mehr, aber das ist das, was wir uns aus
dieser Vielseitigkeit herausnehmen, weil wir es vertreten können, weil es für
uns natürlich ist. Und irgendwie ist eine Band daraus geworden.
Ihr seid heute 13
Hippies, wo sind die anderen 4?
Anfangs, also bei Namensgebung, waren wir mal 5,
zwischendurch waren wir sogar 23, aber mittlerweile hat sich 13 als guter
Kompromiss herauskristallisiert zwischen Umsetzbarkeit unserer Musik und
Vertretbarkeit was den Bühnenplatz und das Reisen durch die ganze Welt angeht.
Dafür waren 23 zu viele. Und Hippie traf – und trifft – einfach unsere
Lebenseinstellung – das ist ja auch einfach einer mit viel Leidenschaft, der es
aber auch nicht so richtig hinkriegt. Und Hippies kann man in fast jeder
Sprache aussprechen. Der einzige Hippie, den wir immer gerne wieder anbringen,
ist Lüül, das ist noch so ein alter Krautrocker, der früher auch bei Ash Ra
Temple gespielt hat.
Viele haben Euch
durch den Film „Halbe Treppe“ kennen gelernt. Was unterscheidet die Band von
damals, 2002, mit der Band heute?
Im Film sieht man wie die Band früher mal war, das waren mal
mehr, mal weniger, und für Deutschland war das für die Band schon sehr wichtig,
denn vorher waren wir eine Band mit einem lustigen Namen, durch den Film war
das plötzlich Kunst. Was natürlich Quatsch ist. Solche Unterscheidungen wie
U-(nterhaltungs-) und E-(rnste) Musik gibt es z.B. in Frankreich gar nicht, die
hören Musik und entscheiden einfach, ob sie die gut finden, oder nicht.