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Supergroup (deutsch: Supergruppe) ist ein Ausdruck aus dem
Bereich der populären
Musik. Als Supergroup wird eine […] Rockband
bezeichnet, deren Mitglieder zuvor bereits in anderen, oft sehr bekannten Bands
erfolgreich gewesen waren. Soweit Wikipedia. Die bekanntesten Supergroups sind
CSN(&Y), ELP, Asia oder auch Cream. Mit Chickenfoot kommt nun ein neuer
Name in diese Riege, die, wenn es normal läuft, auch schon bald in aller Munde
sein dürften. Allein Sänger Sammy Hagar (u.a. Van Halen) verleiht der Band ein
markantes Gesicht, Bassist Michael Anthony (ex-Van Halen) und Drummer Chad
Smith (u.a. Red Hot Chili Peppers) geben ihm das groovende Rhythmusgerüst. Und
Joe Satriani rundet das Ganze mit virtuosem Gitarrenspiel ab. Eine exzellente
Mischung. Und spätestens die elf brillanten Songs sind Grund genug, uns über
die Entstehung aufklären zu lassen.
Wie seid Ihr
zusammengekommen?
Ich kenne Sammy schon seit Jahren und wir rennen uns immer
wieder mal über den Weg, weil wir beide in der San Francisco Area leben. Und wir
waren schon einmal in einer Band zusammen, Planet Us, aber wir kamen nicht über
eine Live-Radio-Show hinaus, weil wir zu beschäftigt waren mit anderen Sachen. Und
dann rief er mich letztes Jahr an, und sagte, er hätte ein Solo-Show in Las Vegas
und ob ich und ein paar andere Freunden – Mike und Chad – nicht auch nach der
Zugabe mit auf die Bühne kommen wollte, um ein bisschen zu jammen. Und das ist,
was wir machten und dann saßen wir nachher zusammen und freuten uns, weil wir
so viel Spaß hatten. Und dann war klar, dass wir das fortsetzen sollten. Und
dann haben wir versucht, so viel Zeit wie möglich in unseren völlig überfüllten
Terminkalendern freizuschaufeln, damit wir das hinkriegen.
Ich war gerade dabei,
mein Professor Satchafunkilus Album
und bereitete mich gerade auf meine Welttournee vor. Aber wir jammten immerhin
zwei Tage, dann noch einmal ein paar Tage nach dem ersten Teil meiner Tour und
dann noch einmal um Weihnachten herum in Kalifornien, wo wir es wirklich
geschafft haben, das ganze Album aufzunehmen. And here we are! That’s what we did. Und
es hat wirklich Spaß gemacht, es war eine sehr besondere Chemie in der Band und
das ganze kam wirklich sehr organisch. Wir hatten kein Plattenlabel und waren
einfach nur ein paar Jungs, die zusammen Musik machen wollten.
Die Songs sind also
wirklich entstanden mit vier Leuten in einem Raum?
Nicht alle, nein.
Es gibt eine Geschichte zu jedem Song. Sam und ich fingen an mit ein paar
Writing Sessions und spielten zunächst mit ein paar Ideen, dann habe ich
zuhause ein paar instrumentale Demos angefertigt, hab die den anderen
zugeschickt und sie haben mir dann gesagt, was sie gut fanden, was sie anders
machen würden oder wo wir schneller oder langsamer werden sollten, oder wo noch
ein anderer Part fehlt. Und das Ganze passierte, während Sam und ich eigentlich
ganz woanders auf Tour waren, und dann kamen wir wieder zusammen und haben die
Arrangements zusammengeschraubt. Also in den meisten Fällen kommen die Melodien
von mir und die Texte von Sam, aber auch Michael und Chad haben ein paar Sachen
geschrieben. Und die Arrangements kommen von uns allen.
Also ist das eine Band oder eher
ein Projekt?
Definitiv eine
Band. Wir haben uns lediglich gesagt, dass wir noch nichts zu früh an die
Öffentlichkeit treiben, und auch noch kein Label suchen. Wir haben alles selbst
bezahlt, haben die Studios selbst organisiert – im Prinzip haben wir die Türen
geschlossen gehalten, bis wir ein Album hatten, das wir zeigen können.
Deswegen kam das jetzt ja auch so überraschend.
Ja, und das war sehr
gut, denn so hatten wir niemanden, der uns reinreden konnte, es gab nur uns
vier, zwei Manager und unsere Familien. Und dann konnten wir die Tür öffnen,
uns ein Label suchen und jetzt wissen wir auch, was wir damit anfangen können.
Ist es nicht seltsam für Euch, plötzlich in neuer Konstellation zu
spielen?
Absolut. Es ist anders
für jeden von uns. Chad ist schon sein halbes Leben bei den Chili Peppers, also
wird es seltsam sein, nicht Flea oder Anthony neben sich zu haben. Aber er hat
ohnehin so viele Sachen nebenher, ist Sessiondrummer bei so vielen Bands und
Projekten, also wird er schon damit klar kommen.
Die größte Umstellung
ist es eigentlich für Dich, oder? Ich meine alle anderen sind oder waren schon
in Bands, Du hattest vor allem immer Deine Solokarriere.
Ja, das stimmt wohl, ich bin hier nicht der Chef. Und dann
haben wir auch noch einen Sänger. Das sind zwei Umstellungen auf einmal. Aber
ich bin froh, endlich mal jemanden neben mir zu haben, der die Aufmerksamkeit
auf sich zieht – Sam ist wirklich ein Frontmann!
Wahrscheinlich die einzige Art für Dich, überhaupt an einen Sänger zu
kommen, oder? Jemand, der genauso populär ist wie Du selbst.
Ja, das stimmt wohl.
Ich meine ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, als
Instrumentalmusiker schon seit so vielen Jahren Platten veröffentlichen zu
können, in der ganzen Welt zu touren und immer die Unterstützung vom Label und
den Fans zu haben.
Also hast Du nie
einen Sänger vermisst, oder einfach nur nie den richtigen gefunden?
Das Zweitere trifft es wohl eher. Als ich 1990 meinen
zweiten Vertrag bei Epic unterschrieb, war das mit der Aussicht, eine Band
zusammen zu stellen mit einem Sänger. Und ich habe wirklich zwei Jahre intensiv
gesucht, aber nie den richtigen gefunden. Dann bin ich zu Epic zurückgegangen
und habe gesagt, hier, nehmt den Vertrag, es klappt einfach nicht. Ich finde
keinen. Aber sie haben mich trotzdem behalten (lacht).
Was uns zurück bringt
zu Planet Us, die Du vorhin erwähnt hattest.
Ja, das stimmt, da hätte das auch schon klappen können… Aber
Tatsache ist, das war eine Band mit Sam und Michael zusammen mit Neal Schon und
Dean Castronovo von Journey. Und sie hatten schon zusammen eine Zeit verbracht,
hatten auch immerhin dreimal in der Öffentlichkeit live gespielt, bevor ich
dazu kam – für eine Radioshow – und danach löste sich das ganze dann doch auf,
weil Michael und Sam zurück gingen zu Van Halen. Damit war das Projekt erst
einmal gestorben. Neal und Dean haben ein paar Sachen davon später zusammen mit
Jeff Scott Soto aufgenommen (Soul SirkUS).
Als ihr jetzt wieder
zusammen kamt, gab es irgendetwas, was ihr gar nicht machen wollten oder auf
jeden Fall vermeiden wolltet?
Wir haben uns nie drüber unterhalten, in welche Richtung wir
gehen wollten, wir haben einfach angefangen – und dann hatte wir erst einen
Song, dann kam der nächste, es gab nie die Frage, was wir machen sollten – es
gab nicht einmal die Zeit, darüber nachzudenken.
Immerhin bringt
allein Sammys Stimme das Ganze ja sehr nahe an Van Halen, oder? Ich meine, was
ist diese Band, was Van Halen NICHT ist?
Sam hatte drei Phasen in seiner Karriere – die Zeit mit
Montrose, mit denen er ja auch schon sehr erfolgreich war, dann die mit Van
Halen und dann seine Solo-Karriere. Klingt das alles nach Van Halen? Abgesehen
davon: Was sollte man dagegen haben? Diejenigen, die Sam von Van Halen kennen,
freuen sich, dass es was neues mit ihm gibt, alle anderen werden uns als neue
Band aufnehmen. Aber wenn Du so fragst: es gibt Sachen, die wir nicht machen,
und das sind die Keyboard-Sachen wie z.B. auf Jump oder Love Walks In. Ich
denke, wir sind anders, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Du sagst, es ist eine
Band, nicht nur ein Projekt, also: Wo könnt ihr diese Band hinführen, wie viel
Zeit habt Ihr dafür? Ich meine, so wie die Voraussetzungen sind, Eure
Bekanntheit kombiniert mit dieser Klasse an Songs, könnte das auch schnell
sehr, sehr erfolgreich werden – in einer gerechten Welt…
Wir werden uns alle Zeit nehmen, die diese Band braucht. Wir
sind bereit und wir haben derzeit auch alle anderen Projekte auf Eis gelegt.
Ich meine, ich werde im Herbst noch eine Live-in-Paris-DVD veröffentlichen, die
haben wir jetzt gerade noch geschafft fertig zu stellen, aber ansonsten liegt
nichts an.
Das heißt, ihr wärt
bereit, Eure Solokarrieren dafür zu opfern?
Wir haben uns nicht drüber unterhalten. Zunächst sind wir
alle bereit, alles mitzumachen, alle Zeit in diese Band zu stecken, die nötig
ist. Was aber nicht zwangsläufig heißen muss, dass wir nicht auch alle unser
eigenes Ding machen können. Ich meine, Chad ist bei den Red Hot Chili Peppers,
das wird sich nicht ändern. Ganz abgesehen von den ganzen Seitenprojekten, die
er am Laufen hat.
Zunächst gibt es ja
nur ein Konzert in Deutschland (am 7.7. in Hamburg)
Immerhin eins! Ihr seid ja schon gut dran. Die ersten Shows
werden entweder auf Festivals sein oder volle Soloshows für die echten Fans,
und davon ist eins der wenigen in Deutschland – und die werden natürlich länger
sein, als die Festivalshows. Und dann ist eine Tour von Juli bis September in
Nordamerika geplant – und was danach kommt, ist noch nicht fest, aber wir
werden mindestens anderthalb Jahre auf Tour sein.
Habt ihr schon mal
live gespielt?
Einmal, ja, vor zwei Wochen. Wir veröffentlichen dieses
Album bei Best Buy in Amerika
und die fragten uns – eher aus Spaß – ob wir nicht auf ihrer
Party für ihre Belegschaft spielen wollten. Und wir sagten, ja, lasst uns das
machen, dann können wir noch einmal üben, bevor wir auf Tournee gehen, und es
fühlte sich wie ein richtiger Gig an, und es war großartig.
Die spannende Frage
ist ja nun, ob ein solches Projekt auch heute noch Erfolg haben kann – ich
meine, wie gesagt, in einer gerechten Welt – oder vor zwanzig Jahren wäre diese
Geschichte durch die Decke gegangen…
Ich denke schon, dass das auch in der heutigen Musikwelt
noch möglich ist. Fakt ist, dass man sich über solche Sachen erst gar keine
Gedanken machen darf, weil man sonst nie losgehen würde. Den Fehler begehen
andere. Die kündigen erst was an, nehmen das Geld und fangen dann an. Wir sind
andersherum gegangen – und bis jetzt hat sich dieser organische Prozess für uns
nur ausgezahlt.