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Bekannt geworden als
die eine Hälfte der Eurythmics, hat sich David Allen Stewart längst auch solo
einen Namen als Musiker, Gitarrist, Komponist und Produzent gemacht. Einen
ersten kleinen Einblick in das, was er während und nach der Zeit an der Seite
von Annie Lennox alles angestellt hat, gibt jetzt das „Songbook“ (Vol. 1), mit
dem er sich neu, und mit einem komplett neuen Konzept präsentiert. Neben Songs
der Eurythmics und seiner Soloband The Spiritual Cowboys finden sich hier
zahlreiche Kollaborationen u.a. mit Terry Hall, Bob Geldorf, Bob Dylan, Mick
Jagger, Gwen Stefanie, Jon Bon Jovi oder Bono. Was das neue Konzept noch alles
beinhaltet, verriet der Brite hier.
Wenn man dieses Album
so sieht und bedenkt, was Du alles gemacht hast – waren die Eurythmics eine
aktive Band oder nur ein Outlet für Deine ganzen Songwriting Ideen?
Nun, ich habe schon eine ganze Menge unterbringen können in dieser Band – deswegen haben wir auch 9 Alben in zehn Jahren, wenn’s nach mir gegangen wäre, hätten es auch mehr sein können, aber mehr konnten wir der Plattenfirma nicht zumuten (lacht). Die Eurythmics waren eigentlich ja nur wir zwei, Annie Lennox und ich und wir waren ständig auf Tour, aber ich habe auch daneben eben so viele Songideen gehabt. Ich liebe es, Songs zu schreiben, und vor allem liebe ich es, Songs mit anderen zu schreiben, deswegen gibt es auch dieses Buch, das parallel erscheint, und das ein bisschen die Geschichten zu den Songs erzählt. Und da gibt es dieses Zitat von mir – „einen Song zu schreiben ist wie sich jedes Mal neu zu verlieben“. Ich habe oft mit anderen Leuten gearbeitet und wir sind durch so viele intensive Momente gegangen, haben zusammen geweint und gelacht… oder die Geschichte, wie ich mit Bob Geldorf gerade an einem Song geschrieben habe, als er die Nachricht von der Queen bekam, dass er zum Ritter geschlagen werden soll, das war schon bizarr.
Eigentlich ist es
noch ein bisschen früh für so eine Werkschau, oder? Macht man so etwas nicht
kurz vor der Rente?
Nun, das Album heißt Vol.1, vielleicht gehe ich ja in Rente, wenn ich bei Vol.
10 angekommen bin. Ich habe parallel auch ein neues Album geschrieben, zusammen
mit dem Orchester und der Band, und ich denke, ich werde auch dieses Album noch
in diesem Jahr veröffentlichen, ich gehe also viele verschiedene, auf jeden
Fall auch ungewöhnliche Wege.
Du hast es also auf
eine Fortsetzung dieser Songbook-Serie angelegt – trotzdem: Wie schwer war die
Auswahl der Songs für Vol. 1?
Nun, der erste Teil war natürlich der wichtigste, weil man das ja erst einmal vorstellen will, von daher spielt jede mögliche Fortsetzung anfangs gar keine Rolle. Ich wollte auf diesem Album die Songs machen, die ich gerne mal mit Orchesterarrangements hören wollte
Und dafür gab es die zehn „Erste-Wahl-Songs“ – „Here comes the Rain again“, etc.. Und danach dachte ich mir, hey, warum nicht auch die elektronischen Sachen – und das öffnete mir die gesamte Palette. Am Ende fielen mir dann die ganzen Songs, die ich vergessen hatte – „Is this love“ (Alison Moyet), das hätte doch super gepasst, aber dann sagte ich mir, ok, dies ist Vol. 1, das kann ich ja immer noch machen. Und dann die Songs, die ich jetzt gerade schreibe, ich arbeite z.B. gerade mit Mick Jagger.
Diese Serie ist also
keineswegs nur dafür gedacht, an deine großen Hits zu erinnern?
Nein, nein, nein! Es gibt auch viele Songs, die viele Leute noch gar nicht so gut kennen, oder die Version von „American Prayer“, die auf der Version basiert, die ich ursprünglich mit Bono geschrieben hatte.
Was war also erst,
die Idee für das Songbook oder die Idee für die Orchestervariante?
Ganz am Anfang stand die Idee, meine Songs mit einem Orchester auf die Bühne zu bringen. Ich dachte so an die 50er, 60er, wo die Songwriter einem Orchester vorstanden und der „Master of Ceremony“ war, so im Glenn Miller Stil. Und ich dachte, wie könnte man das zeitgemäß machen? Und das Rockfabulous Orchstra ist kein Orchester, das Rocksongs in klassischen Versionen spielt, sondern es ist eine Gesamteinheit mit Gitarre, Bass etc. Und dann habe ich eine Band zusammen gesucht, die solche Sachen auch umsetzen kann. Und schließlich kam Dave Kaplan mit ins Spiel, und er meinte, warum machen wir nicht erst die CD mit den Songs, bevor wir auf Tour gehen. Und dann sagte ich, ok, dann kann ich auch noch ein Buch dazu schreiben – und so kam eins zum anderen. Und nun haben wir dieses ganze Programm – die CD, das Buch, die Tournee, die Foto-Ausstellung… ich wollte sehen, wie ein Electonik-Song wie „Sweet Dreams“ mit Orchester klingt. Wir haben sie alle auseinander genommen, und neu zusammen gesetzt.
Diese Sache bringt
Dich also wieder in die Bühnenmitte – bei den Eurythmics standst Du ja immer
ein bisschen hinter Annie Lennox, mit den Spiritual Cowboys konntest Dich
endlich im Zentrum austoben – wie befriedigend war das für Dich?
Ich habe es geliebt, mit den Spiritual Cowboys zu spielen, das war wirklich eine Rockshow.
Die Konzerte mit den Eurythmics waren immer sehr organisiert, eine komplett durchgeplante Show, die lief wie ein Uhrwerk. Die Cowboys waren da anarchischer und man konnte richtig abdrehen.
Ich bin eigentlich
erst mit den Cowboys zum Fan Deiner Musik geworden…
Das war schon eine wilde Zeit. Ich lebte in Frankreich und ich wollte live spielen. Ich hatte eine tolle Band, und wir wollten einfach rausgehen, durch Europa reisen – und das war, was wir gemacht haben. Aber meine damalige Frau wollte irgendwann zurück nach London, deswegen ist das mit den Cowboys zerbrochen und ich fing an zu fotografieren. Viele Fotos aus der Zeit sind in dem Buch übrigens. Und vor zwei Jahren fing ich an, das live spielen zu vermissen, ich wollte mit anderen Leuten raus, wollte wieder Gitarre spielen. Das ist in Deinen Knochen, man kommt davon gar nicht los.
Es war also der Umzug
nach London, der die Cowboys beendete?
Ja. Die Cowboys waren wirklich eine Live-Band, wir hatten unser eigenes Studio, wir wollten wirklich spielen und Spaß haben, es ging nicht um Hits. Aber dann kam dieser Umzug nach London, und dann fing der Stress an, letzten Endes haben wir uns getrennt, aber wir hatten Kinder und so, also dachte ich mir, ich müsste etwas machen, womit ich nicht auf Tour gehen müsste, sondern mehr an einem Platz bleiben könnte… so geht das Leben manchmal. Es gab mehrere Spiritual Cowboys Songs, die ich gerne noch mit hinzu genommen hätte, aber es gibt ja noch die Chance auf Vol. 2 – „The Devil’s just been using you“, z.B. würde ich großartig mit Orchester machen. Ich liebte auch die Gitarrensoli, weil sie immer die etwas schrägen Akkorde mit einer melodischen Variante ausglich.
Hast Du je darüber
nachgedacht, die Akustikgitarre in „Lily was here“ durch eine elektrische zu
ersetzen? Ich meine auch mit den Cowboys hast Du das immer eher original
gespielt…
Hmm, könnte eine interessante Variante sein! Ich sollte das mal live ausprobieren… das könnte ein richtiger Live-Kracher werden. Du bringst mich wirklich auf eine gute Idee, ich muss mir das merken!
Ist dieses Album die
Grundlage für das Live-Programm, oder was wird es darüber hinaus geben?
Es wird vielleicht ein paar zusätzliche Sachen geben, aber ansonsten wird das schon das Album, was wir vorstellen wollen. Es ist ja auch so, dass die ganze Band inkl. Orchester jetzt 21 Songs hat, das sie kennt. Aber es wird trotzdem auch immer die Möglichkeit geben für Spontanität, v.a. was meine Soli betrifft. Immerhin führe ich und sage ich an, was passiert, und das Orchester ist jederzeit darauf vorbereitet, dass es reagieren muss.
Werden auch die
folgenden Songbooks mit Büchern erscheinen?
Ja, das ist geplant. Ich denke, das macht Sinn, weil es wirklich interessante Geschichten dazu gibt. Für mich ist jeder Song wie eine Geburt von etwas, und die Geschichten und Fotos drumherum machen das ganze komplett. Zumindest für die, die es so wollen. Es wird eine Deluxe-Edition geben, also das Buch mit den Texten, den Geschichten hinter den Songs und auch mit meinen Fotos und den beiden CDs, und wer nur die Musik will für den gibt es die CD-only-Version.
Also ein Versuch, der
modernen Musikpiraterie mit Qualität zu begegnen…
Was schon kurios ist, weil ich von Nokia gerade als Beauftragter, für neue, digitale Vertriebswege von Musik eingestellt wurde, der „Change-Agent“, wie es offiziell heißt, und nun veröffentliche ich die altmodischste Form – ein Buch mit CDs drin. Passt nicht so richtig zusammen, oder?
Du entwickelst also
neue Konzepte für die Musikindustrie – ist da noch was zu retten?
Ja, ganz bestimmt. Aber das ganze wird sich noch stärker auf die Vermarktung des Künstlers mit allem drum und dran drehen – von jeder Band wird es das ganze Angebot aus einer Hand geben – seine Welt, seine Musik, Konzertkarten, Merchandising – und das alles über eine Plattform, von der der Musiker auch etwas vom Kuchen abbekommt. Um es kurz zu machen: Es geht letzten Endes um Fair Trade.
Du sagtest, die Idee
für dieses Album war, wieder live auf die Bühne zu kommen. Was ist da also
jetzt geplant?
Zunächst werden wir das ganze Rockfabulous-Konzept auf der Modewoche in Las Vegas vorstellen – mit der Modelinie, der Fotoausstellung, dem Buch, der CD und dem Konzert… - und danach beginnt unsere Tournee durch die Staaten. Wir haben einen weg gefunden, überhaupt live spielen zu können. Immerhin touren wir mit einem 30köpfigen Orchester, dafür muss man schon ein Konzept entwickeln, mit dem das Sinn macht.
Die kleine Rockshow
wird es also vorerst nicht geben?
Wir haben fähige Musiker in der Band – wenn wir Lust haben, können wir jederzeit in einem Club absteigen und eine Clubshow spielen.
Ihr könnt – oder Ihr
könntet?
Ich glaube schon, dass wir das zwischendurch einbauen werden.