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Vor genau 15 Jahren erschien ihr selbst betiteltes Debütalbum, seit dem nimmt uns die Lady aus dem Mittleren Westen der USA in ihren Songs auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Nach der Trennung von ihrer langjährigen Partnerin, und dem darauf folgenden ruhige und sehr introvertierten „Skin“ Album dürfen wir sie nun wieder zurück auf der positiven seite des Lebens erleben. Frisch verliebt, mit unbändigem Elan und einer Menge Power präsentiert sie sich „Lucky“. Und stellte sich Ralf Koch im Interview.
In den USA bist Du derzeit auf „Super Club Tournee“ – das heißt?
Wir
spielen als komplette Band in kleineren Clubs mit Kapazitäten von rund 1000
Leuten, und dafür spielen wir mehrere
Nächte hintereinander. Normalerweise spiele ich in den USA in bestuhlten
Säälen, aber dieses Mal ist es eher so wie Europa, wo die Zuschauer stehen. Der
Vorteil ist einfach, dass die Atmosphäre intimer ist auf diese Weise.
Nun, vor 4 Jahren bist Du ja
(leider) auch in Deutschland angefangen, in bestuhlten Auditorien zu spielen –
die neuen Songs klingen allerdings eher nach Stadien, oder?
Hmm,
würde ich gerne machen (lacht). Hier in Amerika werde ich das im Sommer auch
wohl, aber in Europa sind die Clubs passender. Die Songs sind einfach großartig,
und unsere Show ist eine echte Rock-Show.
Das hört man schon auf dem
Album – es besitzt einige der härtesten Momente von Dir, oder?
Ja,
es geht mir sehr gut, und meine Musik ist eben erfüllt von dieser Stimmung.
Welches Konzept steckt
hinter dem – recht ungewöhnlichen – Cover des Albums?
Ich
sagte zur Plattenfirma, ich möchte meiner guten Laune entsprechend etwas
wildes, buntes, und nannte diesen alten Flipperautomaten „Stars“ als Vorbild –
und das ist eigentlich exakt, was es ist. Und ich haben auch Elemente des
Covers für unsere Live-Bühne benutzt, es ist sehr bunt und passt bestens.
Trotz der Energie auf dem
neuen Album gibt es auch hier wieder leichte Pop-Experimente, allerdings
weniger gewagt, als früher, wie z.B. in „2001“, oder?
Sie
sind mehr organisch, denke ich. So sehr ich Loops und Rhythmen mag, so muss
doch jeder Song auf die Akustische reduzierbar sein – denn das ist, wie die
Songs entstehen.
„Skin“ wurde 2001 veröffentlicht,
so gesehen hat es eine ganze Weile gedauert!
Ich
habe 2002 angefangen, an dem Album zu arbeiten. Und als ich Ende ´02 das erste
Mal ins Studio ging, dachte ich noch, es würde ein normaler Prozess werden,
aber unerwarteter Weise hat es mich wesentlich mehr Zeit gekostet, als ich
gedacht hatte. Ich musste mehrere Male ins Studio, bis ich endlich genug
Material zusammen hatte.
Und bis die Plattenfirma mit
dem Ergebnis zufrieden war, oder? Wie kann das sein?
Tja,
wie kann das sein. Wonach sie gesucht hatten, war ein Hit. Und sie sehen dies
anders, als ich. Ich verstehe, dass Radio-Airplay sehr wichtig ist heutzutage,
ich verstehe, dass sich das Musikbusiness etwas geändert hat – man muss präsent
sein, wenn man etwas verkaufen will. Ich präsentierte ihnen im Endeffekt 12
Songs, die meine Situation widerspiegelten, und ihnen fehlte ein Song, an dem
sie das Album aufhängen konnten. Also fragten sie mich, ob ich nicht den Song
„Breathe“ noch hinzunehmen wollte. Und da ich den Song mochte, hab ich
eingewilligt.
Also ein Song auf Deinem
Album, der nicht von Dir ist – was ja etwas ungewöhnlich ist. Wer ist der Autor
des Stückes, Ryan Jordon?
Er
hat eine Rock´n´Roll Band in St. Louis, namens Green Wheel.
Und die anderen Songs
stammen dann aus den 3 Studio-Aufenthalten, die Du „brauchtest“?
Ja.
Ein paar sind auch noch übrig geblieben, mal sehen, was wir mit denen machen
(lacht). Aber ich dachte, das Album sei so rund und voll genug mit den 13
Stücken.
Absolut! „Skin“ war eine
interessante Scheibe, aber um ehrlich zu sein, gefällt mir diese Seite noch
besser an Dir...
Mir
auch! „Skin“ war eine wichtige Sache, die ich zu machen und durchzustehen
hatte, und die ich so auch rausbringen wollte. Es war ein emotionaler Punkt,
eine Erfahrung in meinem Leben, den ich dokumentiert habe, und von da wollte
ich weitergehen. Ich hatte nicht erwartet, dass das Album die Welt verändern
würde, es war was es war, und ich bin froh wo ich jetzt bin!
Das Album war Grundlage für
die darauf folgende „Acoustic-Solo-Tour“. Welche Erfahrungen nimmst Du aus
dieser Tour mit?
Oh,
ich habe so viel gelernt über mein Publikum. Sie gaben mir eine gewisse
Sicherheit, eine Intimität, und das war unglaublich. Zu sehen, dass ich sie
glücklich machen konnte, nur mit mir und meinem Instrument und meiner Stimme.
Die Auftritte waren noch spontaner, es war extrem interessant.
So wie Du mitttlerweile in
der Öffentlichkeit stehst - ist es für
Dich schwieriger geworden, so viel Intimität von Dir preis zu geben?
Nein,
ich glaube es ist wichtig, so intim zu sein. Ich meine, das ist wofür ich
bekannt geworden bin, das ist einfach was ich mache. Und ich sehe es als meine
Bestimmung, so ehrlich, emotional und persönlich zu schreiben. Und mit dem
aktuellen Album „Lucky“ fällt mir das natürlich wesentlich leichter.
Klar, hier geht es um die
positive Seite von Dir – aber wie steht es mit einem Album wie „Skin“?
Es
war insofern nicht schwerer für mich, weil ich zunächst die Songs für mich
alleine schriebe, und in dem Moment hilft mir das Schreiben über einen
bestimmten Gedanken hinweg. Es ist eine Art Selbsttherapie. Das ist wie
Tagebuch schreiben. Dann kommen die Aufnahmen, die sind auch nicht schwer, weil
ich da mit dem Toningenieur alleine sitze, es ist also immer noch sehr intim.
Und dann kommt die Veröffentlichung – vielleicht der schwerste Part daran.
Millionen von Leuten, die meinen Herzschmerz hören, aber wie gesagt, das ist
eben was ich mache. Und dann kam die Tour, und ich habe so viel Liebe erfahren
– es war einfach unglaublich!