Rock-, Pop- und Szene-News und mehr....
Was für
einen Unterschied eine Ballade machen kann!
Ihr seid in Südafrika
gerade?
Ja, wir spielen vier Konzerte hier. Es ist sehr interessant.
Und in ein paar Wochen spielen wir in Helsinki – also vom südlichsten bis zum
nördlichsten Punkt, so extrem kann touren sein (lacht).
Es ist eine Weile
her, dass Ihr so weit herumgekommen seid, oder?
Ja, nicht in den letzten gut zehn Jahren zumindest.
Es war ja etwas
ruhiger um die Band geworden…
Ja, vor allem in den späten Neunzigern war es nicht ganz
leicht für uns.
Aber da seid ihr
nicht die einzigen, die mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Gerade
die Bands, die in den Achtzigern so erfolgreich waren, hatten in den Neunzigern
Probleme.
Es war einerseits der Musikgeschmack ein anderer war, aber
auch andererseits die Tatsache, dass Foreigner nicht so recht vorangekommen ist
damals. Das hing u.a. mit den Problemen zwischen Lou und mir zusammen, und die
Luft war einfach raus. Als Lou dann vor ca. sechs Jahren die Sache beendet hat,
war es Zeit, getrennte Wege zu gehen. Ich nahm mir erst mal eine Auszeit, habe
mein Leben wieder zurechtgerückt, habe mir Zeit genommen, meine Kinder wieder
kennen zu lernen und ich hatte keine Eile, wieder da raus zu müssen. Erst nach
ein paar Jahren merkte ich, dass mir irgendwas fehlt. Die Sache, die ich mein
ganzes Leben lang gemacht hatte, das Reisen, die Weite und v.a. das Auftreten
und der Spaß, den wir da heben. Das ist der Sinne meines Lebens!
Und wie kam Dir die
Idee für ein solches All Star-Line up?
Hmm, es mag so klingen, aber es war gar nicht so geplant. Es
war eigentlich so, dass Jason Bonham gerne etwas mit mir machen wollte. Ich
kenne ihn, seit er ein Kind ist und er war ein Fan meiner Musik – und sein
Enthusiasmus war der Motor für das alles hier. Wie gesagt, eigentlich wollten
wir nur zusammen Musik machen, und dann kam es, dass wir auch ein paar
Foreigner Songs spielten. Dann lud er Jeff Pilson (Bass) ein, mitzumachen, und
es klang fantastisch. Also kuckten wir uns an – und sagten uns, dass wir es
probieren sollten. Also fragten wir unsere alten Mitstreiter, Tom Gimbel
(Saxofon, Gitarre) und Jeff Jacobs (Keyboard) und nachdem wir über ein halbes
Jahr nach einer geeigneten Stimme gesucht hatten, fanden wir Kelly Hansen. Und
der war genau, was uns fehlte, er ist ein toller Frontmann mit einer starken
Präsenz auf der Bühne. Nichts gegen Lou, er war ein toller Sänger, aber er war
kein richtiger Frontmann. Und Kelly ist genau, was wir jetzt brauchen.
Ich kenne ihn von
seiner alten Band Hurricane – aber da gab es bis auf ein paar Ähnlichkeiten
keinen so deutlichen Hinweis, dass er ein so perfekter Lou Gramm-Ersatz sein
könnte…
Nun, Tom kannte ihn, wir schickten ihm ein paar Songs und
ich merkte sofort, dass er es sein könnte. Er hatte keine Probleme, die Songs
wie Lou zu singen, also haben wir ein bisschen daran gearbeitet.
Er ist unglaublich.
Er hat im Prinzip alles, was die Songs brauchen und bringt darüber hinaus noch
ein bisschen eigenen Stil mit rein.
Ja, das ist genau meine Sichtweise. Ich bin aber auch ein
Spezialist darin, Stimmen zu entwickeln. Inklusive Lou Gramm. Wenn Du seine
Stimme vor Foreigner hören würdest, würdest Du ihn nicht erkennen.
Das heißt, Du hast
auch Kelly geformt?
Nein, ich musste ihn nicht formen, aber ich habe mit ihm am
Gesangstil gearbeitet. Ich bin der Stimm-Guru (lacht). Ich bin sehr stolz
darauf, wie Foreigner jetzt klingen, und wenn das nicht so wäre, hätte es auch
keinen Sinn gemacht, diese Band wieder aufleben zu lassen.
Wie sehr sind das
jetzt Foreigner – im Gegensatz zu Mick Jones & Friends?
Ich denke, dass dies das enthusiastischste Foreigner Line-Up
ist, das es je gab! Sie sind stolz, in der Band zu sein, und sie brennen
darauf, zu spielen. Und wir alle können es gar nicht abwarten, einen Neustart
anzugehen und im nächsten Jahr neues Material aufzunehmen.
Einen echten Neustart
– oder die Fortführung der Band in neuer Frische? Also die Europe-Variante oder
eher die Great White-Variante?
Oh, ich hoffe doch, dass wir schaffen, ein paar neue
Elemente mit rein zu bringen. Gleichzeitig muss sich das Ganze natürlich noch
wie Foreigner anhören… wir werden also kein Queens of the Stone Age Album
machen. Aber was immer wir machen, es soll eine gewisse Relevanz besitzen. Und
dafür haben wir eben die besten personellen Voraussetzungen.
Kelly kam vor zwei
Jahren in die Band – seit dem seid Ihr erst einmal auf Best-of Tour?
Ja, mein Plan war, dass wir den Namen erst einmal wieder
verbreiten, dass wir so viele Shows und Festivals spielen, wie möglich, und
zeigen, wer diese Band jetzt ist und was wir können.
Was uns zur aktuellen
DVD/CD-Veröffentlichung bringt – zwei Shows, die gar nicht mal so
unterschiedliche Setlists haben, die aber komplett anders sind, oder?
Ja, die Aufnahme vom Bang Your Head-Festival stand unter
anderen Vorzeichen. Wir mussten uns vor einem Heavy Metal-Publikum beweisen –
vor uns und nach uns spielten nur Typen mit schwarzen Lederklamotten und Ketten
und langen Haaren – das war schon eine Herausforderung! Deshalb haben wir auch
keine Balladen gespielt. Und diese Show hat mir bewiesen, dass wir durchaus
vielfältig sind. Ich meine, ich habe immer gesagt, dass wir in erster Linie eine
Rockband sind!
Ja, und wenn man dann
die Show aus Las Vegas im vergleich dazu hört, kann man nur feststellen: Was
für einen Unterschied eine Ballade machen kann! Es ist eine komplett andere
Show, oder?
Ja. Ich glaube aber auch, dass wir eine sehr breite Gruppe
von Menschen ansprechen. Ich sehe, dass wir eine Menge junger Leute bei unseren
Konzerten haben – woher die auch immer auf uns gekommen sind, ihre Eltern, ihre
Geschwister oder Freunde. Ich denke, wir wurden zu sehr in diese Balladen-Ecke
gedrängt. Wie auch immer das passieren konnte. Wir hatten immer schon einen
tollen Sänger, tolle Songs – und man muss immer noch sehen, dass der Anteil an
Balladen immer noch gering ist.
Man könnte die o.g. Überschrift
ja im Prinzip auf Eure gesamte Karriere anwenden, oder? Haben die Balladen
nicht einen Unterschied für die gesamte Band bedeutet?
Ich denke, es war vor allem „I want to know what love is“,
der uns dieses Bild in der Welt gegeben hat. Dieser Song ist für so viele
Menschen einfach mehr als nur ein Song, es ist eine Hymne. Ist es auch immer
noch – man kann immer noch Leute im Publikum sehen, die weinen bei diesem Song.
Ich meine, ich bin stolz auf diesen Song und ich glaube auch nicht, dass er
diese Band wirklich verändert hat. Es war aber auch Lou Gramm, der dieser Seite
immer viel zu viel Gewicht gegeben hat, wenn Du ich fragst. Als Gründungsmitglied
war das nicht unbedingt sehr konstruktiv – und im Endeffekt war das auch ein
Grund für die Probleme, die Lou und ich hatten.
Was würdest Du denn
sagen, wie hat sich die Band über die Jahre in Deinen Augen verändert?
Nun, wir haben uns von Anfang an an veränderte Bedingungen
gewöhnen müssen. Die Tatsache, dass das Debüt bereits so erfolgreich war, hat uns
da mitten rein geworfen. Wir hatten gedacht, dass wir die Band mit den Jahren
ganz nach oben bringen könnten – dass das schon gleich mit dem ersten Album so
abgehen würde, konnte ja keiner ahnen. Und deswegen haben wir uns immer schon
an die von außen gegebenen Umstände anpassen müssen. Schon das zweite Album war
eine Herausforderung. Aber wir haben sie gemeistert. Und natürlich gab es
Experimente, aber wir mussten sie alle in der Öffentlichkeit machen, das war
schon prekär. Ich höre sehr viel Musik, mein Geschmack ist sehr vielfältig. Und
mein oberstes Ziel war immer, nicht zu klingen, wie eine andere Band. Das war
meine Herausforderung.
Nun, das wart Ihr von
Anfang an – immerhin war Foreigner im Prinzip die erste „AOR“-Band dieser Art.
Ja, das stimmt, Es gab Fleetwood Mac, Boston und vielleicht
die Eagles. Aber im Endeffekt waren die auch komplett anders.
Ihr kamt aus Bands
wie King Crimson, Peter Frampton oder Spooky Tooth – was war Euer Masterplan
für Foreigner?
Wir wollten Musik machen und Spaß haben. Man kann schwer
planen, was dabei herauskommt, wenn sich Musiker zusammen finden. Ian Mc Donald
war ein sehr innovativer Musiker, dass er von King Crimson kam, war für mich
dabei nicht ausschlaggebend. Ich wollte gerne mit ihm zusammen arbeiten. Je
unterschiedlicher die Hintergründe der einzelnen Musiker sind, desto
interessanter kann es werden, was dabei herauskommt.
Kurze Frage noch nach
Lou – wie geht es ihm?
Es geht ihm soweit gut, aber wir haben keinen sehr guten
Kontakt mehr. Er ist gesundheitlich immer noch sehr angeschlagen.
Und es sind immer
noch die Nachwehen des Hirntumors, wegen dessen er schon in den Neunzigern
behandelt werden musste?
Ja, es hat mit den Folgen davon zu tun. Ich habe wirklich
versucht, ihm zu helfen mit seiner Genesung, aber er hat seine eigene
Vorstellung davon, was es eben schwer für mich macht, an ihn ranzukommen.