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Seien wir ehrlich:
Ihre große Zeit war in den Achtzigern. Mit einem Riesenstapel Hits, Hits, Hits
– v.a. auf ihren ersten zwei Alben verteilt. Die beiden nächsten Alben fielen
etwas ab – und dann ging die Karriere plötzlich in eine ganz andere Richtung:
Die erfolgreichsten Songs, die das kreative Duo Rob Hyman und Eric Bazilian
schrieben, waren auf Alben anderer Bands und Künstler - Amanda Marshall, Patty
Smyth, Jon Bon Jovi, Journey, Zucchero, The Calling, Robbie Williams, Ricky
Martin oder die Scorpions – man wundert sich manchmal, wer alles seine Songs nicht
selber schreibt. Seit 2003 sind die Hooters wieder live aktiv, und 14 Jahre
nach ihrem letzten gibt es jetzt auch endlich wieder ein neues Album: Time
Stand Still! Daneben sind sie auch im November wieder live in Deutschland. Eric
Bazilian im Zeitpunkt-Gespräch mit Ralf Koch über Rohrkrepierer,
Sound-Varianten und U2-Geheimnisse.
Das erste Studioalbum
seit 1993, wie fühlt es sich an?
Es wurde Zeit. Ich war etwas nervös, ob es dieses Mal
hinhauen würde. Es war ja nicht das erste Mal, dass wir’s probiert hatten. Der
erste Versuch war 1995 – das wurde letztendlich das „Largo“ Album, und wir
haben es 2003 erneut probiert, aber wir konnten irgendwie keine Songs fertig
stellen. Es war komisch, wir haben so viele Songs für andere geschrieben, aber
zwischen uns klappte es nicht.
Weil Ihr dachtet, es
müsste sich wie der Hooters-Sound anhören?
Ja, auch. Aber wir konnten uns auch einfach nicht mehr
sehen. Wir hatten 15 Jahre nichts anderes gemacht als Die Hooters, und wir
mussten uns trennen. Es war gar keine offizielle Trennung, eigentlich hatten
wir sogar gerade einen neuen Plattendeal, aber wir kriegten eben keine Songs
mehr auf die Reihe. Und dann hatten Rob (Hyman) und Rick Chertoff (Produzent) die
Idee zu diesem „Largo“ Album, was meiner Ansicht nach gute Musik war, aber ich
konnte mit der Idee an sich nichts anfangen. Sie wollten verschiedene Sänger
und auch weitere Musiker darauf haben, aber dann wäre es für mich kein Hooters
Album mehr gewesen. Das war ein Scheideweg. Dazu kam, dass ich meine
Songwriter-Karriere für andere Künstler gestartet hatte, und das auch ganz gut
anlief, also wollten wir eine Pausen machen – 2, 3 Jahre. Aber Leben ist das,
was passiert, während Du andere Pläne machst. Aus 3 wurden 4 Jahre und 5 Jahre
und 8 Jahre bevor wir wieder auf Tournee gegangen sind.
Am 21.11.2001 habt
ihr dann das erste Mal wieder zusammen gespielt beim Jubiläum der Radiostation
WMMR, einem euer frühen Fürsprecher. Das war aber noch nicht ganz der Start,
oder?
Nein, unsere erste Tour war 2003 in Deutschland – was für
uns eine Art zweite Heimat geworden ist. Wir haben fast nur bei Euch gespielt
plus ein paar Gigs in Schweden und der Schweiz. Naja, und zu der Zeit hatten wir
auch ein Album machen wollen, aber irgendwie waren Rob und ich auch eingespannt
in einem anderen Album für Joan Osborne – was tragischerweise nie
veröffentlicht wurde, dann gab es noch ein anderes Album mit einem anderen
Künstler – das auch noch nicht veröffentlicht wurde… das Musikbusiness kann
schon seltsam sein. Naja, vor 2006 sind wir jedenfalls nicht mal dazu gekommen
in den Staaten live zu spielen. Und das war dann ein Riesenerfolg – so dass wir
uns gesagt haben, nun lasst uns endlich ein neues Album machen. Alle hatten uns
bedrängt, der Promoter in Deutschland, die Fans weltweit fragten, also schickte
ich meine Familie nach Schweden, ich setzte mich mit Rob zusammen, wir
schauten, was wir schon mal hätten, und dann fingen wir an, zusammen Songs zu
schreiben.
Wie in alten Tagen
also… fühlte es sich auch genauso an?
Es fühlte sich sogar noch besser an. Wir waren einfach
erwachsener geworden. Früher hatten wir eine Idee, irgendjemand begann etwas
dazu zu singen und wir spannen etwas drumherum. Und wir haben viele Sachen
verfasst, von denen ich wünschte, wir hätten es nicht gemacht. Ich habe mal
einen Satz von Bono über die selbe Sache gelesen. Er sagte, auf die frühen U2
Songs bezogen, er hätte das Gefühl, sie wären nicht fertig. Sie hätten nicht die
Geschichte erzählt, die sie erzählen sollten. Und auf dem neuen Album, denke
ich, erzählt jeder Song eine eigene Geschichte.
Musikalisch sagt der
Albumtitel schon alles, oder?
Ich denke, ja. Aber es ist witzig, jeder sagt etwas anders.
Es gibt durchaus die Meinung, dass es sich nicht unbedingt „gleich“ anhört wie
früher. Für mich hört es sich wie die Hooters an, aber es gibt viele neue
Instrumente, wie z.B. die schwedische Mandola (eine große Mandoline), die wir
zum ersten Mal benutzt haben.
Nun, es gab auch
verschiedene „frühe Hooters“ Sounds. Die ersten beiden Alben (Nervous Night ´85, One Way Home
´87)
waren der klassische Sound, auf den beiden weiteren Alben (Zig Zag `89, Out of Body ´93) hattet
Ihr Euch ja schon selbst zu einem gewissen Grad davon entfernt. Das neue Album
ist so eine Mischung aus allem, würde ich sagen.
Was das Beste wäre, was uns passieren könnte. Vielen Dank!
Ich meine, wir haben ja keine große Kontrolle über das Endergebnis, man kann
nur das machen, was aus einem heraus kommt.
Was hatte sich denn
zu Zig Zag Zeiten bei Euch geändert? Warum klangen die weiteren Alben anders?
Wolltet Ihr Euren Sound verändern?
Das war lustig. Mein Plan war, ein härteres, rockigeres
Album zu machen. Das Endergebnis war das komplette Gegenteil. Um ehrlich zu
sein, ich mag Zig Zag von allen Hooters-Alben am wenigsten. Es war mir zu
seicht. Ich bin ein E-Gitarrist, alles andere, was ich mache ist nur ein Ersatz
für ein Gitarrensolo. Aber „500 Miles“ war ein Hit für uns z.B. in Schweden.
Aber der Sound hatte
sich nicht so sehr geändert für Out of Body, oder?
Er war schon etwas härter, aber an dem Album waren einfach
zu viele Köche beteiligt – A&R-weise. Wir waren etwas ängstlich geworden
und hatten textlich auch den Ball aus den Augen verloren.
Das Überraschendste
am neuen Album ist das Cover von „Boys of Summer“ – immerhin seid Ihr v.a. als
Songwriter bekannt…
Nun, es war auch nicht das erste Cover, das wir aufgenommen
haben. Aber die Geschichte dazu war folgende. Bob und ich wurden 2005 gefragt
für ein Benfizkonzert einen Song aus den 80ern zu covern, von dem wir
wünschten, wir hätte ihn geschrieben. Und so kamen wir auf Don Henley. Naja,
und für die Platten haben wir es noch einmal etwas überarbeitet.
Ich habe Euch vor ein
paar Jahren in Hamburg gesehen – da habt ihr die Songs ziemlich orginalgetreu
gespielt – ist das anders heute?
Nicht so sehr wie ich es gerne hätte. It’s tricky. Wenn
Leute zu Konzerten kommen, wollen sie „ihre“ Songs hören. Also gibt es Sachen,
die darf man nicht ändern. Ich würde nicht z.B. „All You Zombies“ kaputtmachen
wollen. Aber es gibt durchaus Passagen und Songs, die man noch härter ran
nehmen könnte…. Aber da ist Rob komplett anderer Meinung als ich, und wir
hatten auch schon viele Diskussionen darüber. U2 haben z.B. eine gute Mischung
daraus, sie ändern die Arrangements und klingen trotzdem wie U2. Wenn sie
„Pride“ spielen, ist es „Pride“. Aber auch unsere Live-Arrangements sind
durchaus anders. Wir können unseren Studio-Sound eh nicht duplizieren, dann
bräuchten wir drei Leute mehr auf der Bühne – oder wie im Fall U2 – drei Leute
unter der Bühne.
Ach… ist das so?
Hmm, Du hast es nicht von mir, ok? Aber wenn da
Gitarrenriffs kommen, die keiner bedient, oder ein Chorsample, das keiner
gestartet hat, ist das schon seltsam, oder? Der Härtefall war ja Bruce
Springsteen, der eine Solotour durch die Staaten gemacht hat – und einen
Keyboarder hinter der Bühne hatte! So etwas will ich nicht. Nein, wir sind
eigentlich ganz gerne spontan
Wenn Rob Dich lässt…
Oh, wir machen das. Und wir haben auch Sachen wie „One of
Us“ oder „Time after Time“ im Set, wo ich die zweite Strophe auf deutsch singe!
Wir kamen auf die Idee vom Erdmöbel-Album, die haben das dafür übersetzt, und
das klingt gut. Diese Übersetzung war unsere Vorlage.
Apropos Vorlage –
wenn Euch keine neuen Songs eingefallen sind – ihr hättet ja auch ein Album mit
Songs machen können, die ihr für andere geschrieben habt, oder?
Ja, eines Tages könnte man das mal machen, aber für dieses
„Comeback“ schien es uns nicht sehr angebracht… Unser Manager hätte das gerne
gehabt. Aber das Ding ist, wenn es ein Hooters Album ist, müssen die Songs auch
nach den Hooters klingen. Da können wir nicht „Old Before I Die“ (Robbie
Williams) oder Amanda Marshall Songs machen. Naja, „Believe in You“
vielleicht….
Du hast auch 2 Soloalben
gemacht – würdest Du die komplett anders nennen als den Hooters Sound?
Was heißt schon komplett… aber sie sind schon anders. Für
das erste – ich habe ungefähr fünf Jahre dafür gesammelt und daran gearbeitet –
wollte ich einfach nur sehen, wie weit ich gehen könnte. Wie hart ich singen
könnte, wie gut ich spielen könnte und wie gut meine Songs würden. Und ich war
etwas enttäuscht, dass keine Plattenfirma daran Interesse hatte. Das zweite
Album war das komplette Gegenteil, das hab ich in sechs Tagen hier in Schweden
geschrieben.
Und die waren nie als
Hooters Alben geplant?
Nein. Ich meine, den einen oder anderen Song von „The
Optimist“ (dem ersten Album) hab ich immer mal eingebracht, aber es kam dann ja
nie zu einem Album. Der Song „Until You Dare“ ist schließlich auf dem neuen
Album gelandet. Und ein weiterer Song vom neuen Album, „Morning Buzz“ wäre fast
auf dem „Largo“-Album gelandet.
An „Largo“ warst Du im
Endeffekt gar nicht beteiligt?
Musikalisch schon – aber es ist das erste Album, auf dem ich
spiele, ohne dass ich einen einzigen Ton davon geschrieben hätte. Sie arbeiten
gerade an einem Musical über die Story – auf das ich sehr gespannt bin, weil
ich dann vielleicht das Konzept verstehe. Ich meine, ich weiß ungefähr, worum
es geht, aber ich hab den Text nie ganz verstanden.
Du erwähntest
bereits, dass Rick Chertoff daran beteiligt war – wie groß war sein Input?
Er war unser Produzent und Freund. Er ist großartig darin,
Songs zu nehmen und auf ein anderes Level zu hieven. Aber das neue Album haben
wir trotzdem ohne ihn geschrieben.
Nun, ein neuer Hit
wäre schon eine Hilfe, um wieder zurück ins Geschäft zu kommen…
Entweder das, oder aber live spielen und immer wieder live
spielen. Das wird vielleicht etwas anstrengender, aber es wird auch klappen.
Es klappt jetzt schon
wieder seit knapp 4 Jahren – wird es dieses Mal halten?
Ich hoffe es, ehrlich. Und das ist es mir auch wert, meine
anderen Projekte etwas zurückzuschrauben.
Ich hab noch eine
Frage: In Eurem Info stand, dass Ihr durch Live Aid so bekannt geworden seid…
auf der 4-DVD Box seid Ihr nicht mal drauf!
Hammer, oder? Frag mal Bob Geldorf! Das Kuriose daran ist,
dass zu der Zeit, als die Box veröffentlicht wurde, wir sogar zusammen auf Tour
waren mit ihm. Frag mich also nicht, warum er uns vergessen hat. Vielleicht war
er sauer, dass er für uns nur Support war…