Rock-, Pop- und Szene-News und mehr....
Robert „Bob“ Dalton: It Bites kehren zurück
Interview 2003
Ein Treffen war für
den Frühsommer angekündigt, dann passiert lange Zeit nichts, und es schien, als
wenn die angekündigten Reunion-Pläne vielleicht doch nicht s anders waren, als
der (erfolgreiche) Versuch, den Bandnamen mal wieder in die
(Internet-)Schlagzeilen zu bringen. Zumindest bestätigen lassen wollte ich mir
diese Vermutung – als Drummer Bob plötzlich sehr viel vielversprechenderes zu
berichten wusste!
Wie schön, dass ich
Dich erreiche
Ja, ist eine Zeit her, dass wir Interviews gegeben haben!
(lacht)
Aber: Ihr habt neue Veröffentlichungen! Werden die
eigentlich vorerst nur über die Website veröffentlicht werden, oder seht Ihr
Euch auch nach einem Vertrieb um?
Vorerst, ja, aber langfristig ist durchaus auch ein Vertrieb
angedacht. Aber um ehrlich zu sein, so genau haben wir über diese Details noch
gar nicht gesprochen. Wir hatten letztes Wochenende ein Konzert zusammen, wir
waren bei Frank mit auf der Bühne. Er hatte ein Konzert in London, und wir
stiegen für die Zugabe mit ein, und spielten ein paar alte It Bites Nummern.
Das erste Mal seit über 13 Jahren! Und am nächsten Tag haben wir endlich unser
„Meeting“ abgehalten, dass wir so lange geplant hatten.
Ihr habt Euch im
Sommer gar nicht getroffen?
Nein, wir haben keinen geeigneten Zeitpunkt gefunden. Ich
war auf Tour mit Chris Norman. Und jetzt bin ich auf Tour mit The Urbane. Aber
da helfe ich nur für die Tour aus. Ich weiß nicht, warum sein Drummer
ausgefallen ist, aber jedenfalls fragte er mich, ob ich Zeit hätte. Und dann
werden ich wieder mit Chris Norman auf Tour gehen.
Seit wann bist Du mit Chris Norman unterwegs?
Seit 18 Monaten. Ich habe immer verschiedene Jobs, das ist
was ich mache, seit It Bites sich aufgelöst haben.
Was machen die
anderen?
Dick (Richard Nolan) spielt mit Ray Davis von den Kinks,
John geht gerade mit John Wetton in Japan auf Tournee und sie beide haben auch
mit Alan Parson zusammen gespielt.
Ihr habt also gar
nicht geschafft, Euch im Sommer zu treffen? Ich dachte schon, das alles war
lediglich eine Promotion-Idee, um den Namen It Bites wieder in die Schlagzeilen
zu bringen, um die Live-CD und DVD Verkäufe anzukurbeln...
Die Story ist folgende: Wir haben es nicht geschafft im
Sommer. Wir haben uns am Tag nach unserem „Gig“ getroffen, und ein bisschen
darüber gesprochen, was wir machen könnten. Und so lange nichts fest steht kann
ich auch noch nicht so sehr viel sagen. Oder doch: ich kann sagen, dass wir
etwas machen werden! Wir haben über Gigs gesprochen genauso wie über ein neues
Album. Und ein paar Back-Katalog Sachen wie B-Seiten-Album, eine DVD mit allen
Videos der Singles - es gibt viele Sachen, die wir machen könnten.
Wir warten jetzt erst einmal, bis Frank mit seiner Tour
fertig ist, und dann hoffe ich, dass wir noch vor Weihnachten zusammen kommen
können und dann werden wir sehen, ob wir nicht auch etwas Neues auf die Beine
kriegen können.
Das klingt ja schon
mal gut!
Natürlich hast Du Recht, die Live-CD und die DVD hat unseren
Namen zurück auf die Bildfläche gebracht, und es war uns jetzt auch erst einmal
wichtig das auf die Reihe zu bringen, und unsere Website fertig zu stellen,
bzw. so weit auf die Reihe zu bringen, damit man die Sachen auch beziehen kann,
aber im Prinzip ist das, wie es gelaufen ist, da stand kein Masterplan
dahinter. Und dann werden wir uns entscheiden, ob wir ein paar Gigs machen, um
die Live-CD/DVD zu promoten, oder ob wir etwas neues machen.
Seit so vielen Jahren haben wir immer wieder so viele
Anfragen bekommen, ob wir nicht wieder zusammen kommen könnten, etc.
Wie viel Kontakt
hatten Ihr in all den Jahren?
Mit Frank nicht so viel, aber mit John und Dick hatte ich
regelmäßig Kontakt – schon allein, weil wir alle in London wohnen. Und dann
habe ich jetzt im Sommer endlich die Initiative ergriffen, um alle mal wieder
zusammen zu trommeln. Ich hätte schon Lust, ein neues Album zu machen, bevor
wir alte Sachen veröffentlichen.
13 Jahre sind eine
lange Zeit, es wird viele Leute geben, die mit Eurem Namen nicht mehr so sehr
viel anfangen können. Wie wertvoll, denkst Du sind diese Veröffentlichungen für
Newcomer?
Ich denke, sie decken unsere Sachen ausgezeichnet ab. Die CD
ist hauptsächlich unser erstes Album und ein paar Sachen im Demo-Stadium von
unserem zweiten Album. Und die DVD deckt alle drei Alben ab. Und mit der CD und
der DVD kann man sehr gut sehen, wie sehr sich der Sound der Band verändert
hat. Am Anfang standen mehr die einzelnen Instrumente im Vordergrund, am Ende
hatten wir einen wesentlich kompakteren Bandsound. Und diesen Übergang kann man
gut nachvollziehen auf der CD und DVD.
Gab es diesen
offensichtlichen Übergang auch auf den Studioalben?
Ich glaube nicht, das ein einziges unserer Studioalben uns wirklich
so widerspiegelt, wie wir wirklich waren,. Sie waren alle überproduziert.
Und als wir die Montreux-CD abgemischt haben, war es mir
auch sehr wichtig, dass nicht mehr viel damit gemacht wird. Ich sagte zum
Mixer, dass er das Album wie ein Live-Album klingen lassen sollte, ohne große
Effekte. Nicht dass es wieder so klingt wie ein Live-Album, dass durch einen
Studio-Prozess gezogen wurde, sondern so rauh wie möglich. Nicht wie unser
„Thank You and Goodnight“ Live-Album.
Du warst also mit den
Studioalben nie zufrieden?
Nicht vom Sound, nein. Die zweite war wohl noch am besten.
Aber das waren die damaligen Zeiten, da klangen alle Alben so.
Du sprachst von
diesem „Übergang“ im Sound – war der Unterschied von der ersten zur dritten CD
nicht einfach auch im Stil? War „Eat me in St. Louis“ nicht einfach ein AOR
Album?
Ja im Vergleich zu den ersten zwei könnte man es wohl so
nennen. Das erste war ja im Prinzip ein reines Pop-Album – vom Sound her. Das
zweite Album war anders, da hatten wir wesentlich mehr Einfluss. Statt eines
Produzenten hatten wir auch nur einen Sound-Engineer als Co-Producer, Mark
Wallis.
Das Ding mit dem
ersten Album war, dass wir keine Ahnung hatten.
Alan Tschad war ein musikalisches Genie in unseren Augen,
und wir saugten alles auf, was er uns erzählte. Er zeigte uns Dinge wie Breaks,
verschiedene Rhythmen,– das hatten wir alles nie gemacht. Alan hat uns all
diese Spielereien in den Kopf gesetzt, erst danach haben wir selber damit
angefangen, solche Sachen auch zu schreiben. Ich meine, wir kannten Genesis und
Yes, aber – weißt Du: Virgin hatte uns als Popband gesignt, und es hat eine
Weile gedauert, bis sie erkannten, dass wir eigentlich eine Rockband waren.
Und die Arbeit an unserem zweiten Album, ohne richtigen
Produzenten hat uns gezeigt, dass wir im Prinzip selber ganz gut wussten, was
wir am besten machen sollten. Darum haben wir auf dem dritten Album gar keinen
Produzenten verwendet.
Trotzdem hatte sich
der Sound stark geändert!
Das dritte Album kam nach unserem Management-Wechsel, und
plötzlich sollten wir den amerikanischen Markt bedienen. Das war sehr hip zu
der Zeit. Wir wollten den amerikanischen Markt ausprobieren, und Brian kannte
sich mit dem AOR aus – und das konnte man heraushören.
Erfolg hat´s trotzdem
nicht gebracht, oder?
Nein, bestimmt nicht. Ich glaube nicht, dass das ein
besonders schlauer Zug war. Aber das gute war, dass man nie vorhersehen konnte,
wie ein neues It Bites Album klingt. Und deshalb können wir jetzt auch relativ
sorgenfrei an ein neues Album gehen, denn wer It Bites bislang gemocht hat,
trotz aller Veränderungen, der wird auch weiter interessiert sein an.
Gibt es – um auf It
Bites-Newcomer zurückzukommen - also eine Art, den It Bites Sound überhaupt zu
beschreiben?
Hmm, nein ich glaube nicht, dass wir je einen bestimmten
Sound hatten. Wir sind eine Rock-Band, so viel ist sicher – auch wenn das erste
Album sehr Pop-orientiert war. Aber Rock ist, was Alan uns gezeigt hat, und was
wir ab dem zweiten Album gemacht haben. Aber darüber hinaus, waren wir
vielleicht einfach nur sehr abwechslungsreich. Und wenn es ein neues Album
geben wird, dann werden wir all unsere Einflüsse aus der letzten Dekade mit
hinein bringen, es dürfte also durchaus spannend werden!
Wenn Du diese
enthusiastische Menge auf der DVD und der CD siehst und hörst – bedauerst Du,
dass It Bites sich aufgelöst haben?
Ähm... nein, ich glaube nicht. Wir hatten gemacht, was wir
bis zu dem Punkt machen konnten. Es hätte nicht viel länger weiter gehen
können, dafür ging zu viel ab. Und WEIL wir uns getrennt haben, sind wir jetzt
in der Lage, weiter machen zu können.
Ich bedaure nicht, dass wir uns zu der Zeit aufgelöst haben,
ich bedaure höchstens, dass wir es nicht eher geschafft haben, wieder zusammen
zu kommen. Aber dafür ist es ja nie zu spät. Wir werden sehen, was sich machen
lässt.