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27 Jahre hat es
gedauert, bis die US-Melodic Rock-Legende mal wieder ihre Aufwartung
für eine Stippvisite in Europa gemacht hat. "Journey sind mit
über 75 Millionen verkauften Alben eine der erfolgreichsten
US-amerikanischen Rockbands" (Wikipedia), trotzdem gab es seit ihrer
Tour 1979 gerade mal einen einzigen Gig in Deutschland – am 7.
Juni in Oberhausen. Vor dem Gig hatte Ralf Koch die Gelegenheit, mit
Schlagzeuger Deen Castronovo und Bassist Ross Valory über dieses
Missverhältnis – und noch ein paar weitere interessante
Dinge zu sprechen.
Ein einziger Gig in
Deutschland – ist das nicht ein bisschen wenig?
Ross: "Wir sehen das so: Dies ist erst der Anfang. Wir
haben ein paar Shows in England gegeben und haben nebenbei – das ist jetzt noch
nicht ganz offiziell! – mit Promotern begonnen, eine Tour im nächsten Frühjahr
zu buchen, die uns dann etwas ausführlicher durch die Hallen auch in
Deutschland führen soll, was uns dann wiederum – hoffentlich – die Türen
öffnet, für eine große Sommertour 2008! Du siehst also, wir schmieden kräftig
Pläne für unsere nächsten Aufenthalte, obwohl wir nicht mal weg sind".
Es war aber auch
wirklich ein bisschen sehr lang, dass ihr nicht hier wart!
Ross: "Und, um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung,
warum. Aber irgendjemand muss nun einmal die Papiere unterzeichnen, und bereit
sein, ein kleines Risiko einzugehen. Was sich jetzt geändert hat, ist nur, dass
wir einen neuen Agenten haben – vielleicht kommt deswegen die Sache erst jetzt
wieder ins Rollen".
Deen: "Ich glaube auch, dass sie erst einmal sehen
wollten, dass wir wirklich kommen. Ich glaube, wir hatten schon frühere
Einladungen, aber es gab große Probleme mit unserem früheren Sänger, Steve
Perry in den Neunzigern, und das hat uns auch hier ein paar Chancen verbaut".
Ross: "Unsere Forderungen sind ja bescheiden. Wenn wir
ohne Kosten aus der Sache rauskommen, sind wir ja bereit zu spielen. Denn es
geht uns ja darum, uns den Leuten vorzustellen, und hoffentlich einen guten
Eindruck zu hinterlassen".
Deen: "Hey, wir spielen überall! Es ist doch schon
toll, dass wir überhaupt rüberkommen durften, nette Leute getroffen haben – das
ist doch das tolle am Touren".
Ross: "Unser Problem, an dem wir, wie gesagt, wirklich
immer noch zu knapsen haben, ist unsere Pause in den Neunzigern. Es kam ja
sogar so weit, dass wir uns quasi aufgelöst hatten. Und erst, als wir uns einigen
konnten, neue Leute in die Band zu holen, ging es wieder bergauf. Mit dem Ergebnis,
dass wir seit 1998 durchgehend arbeiten – und das mit einem Line-Up, das länger
andauert, als alle anderen früheren Bestzungen seit 1972"!
Deen: "Oh Gott, da war ich erst 8 Jahre alt"…
Und letztendlich
hättest Du Dich glatt für den Sängerposten bewerben können, anstatt für den
Schlagzeugstuhl. Immerhin singst Du auf zwei Stücken des aktuellen Albums – mit
grandiosem Ergebnis!
Deen: "Ich habe früher schon in High School Bands
Journey-Songs gesungen – ich hätte also alles vorsingen können. Ich habe in
allen möglichen Bands gespielt, Metal, Thrash, aber Journey waren trotzdem
immer meine Helden".
Ross: "Die Geschichte, wie Steve Augeri zu uns kam, war
ja genauso fantastisch. Steve hatte das Musikbusiness quasi schon wieder
aufgegeben, um sich seinem früheren Job zu widmen, als ein Freund von ihm,
seinem Bekannten Neal Schon (Journey-Gitarrist) ein Tape von seiner letzten
Band Tall Stories vorspielte. Neal rief ihn sofort an, um ihn zur Audition
einzuladen, was Steve erst einmal für einen Scherz hielt. Woraufhin ihn sein
Freund erst einmal aufklären musste, dass das wirklich Neal Schon war, und er
doch bitte nicht einfach wieder auflegen sollte. Und das erste Mal, das wir in dieser
Besetzung zusammen kamen, war für die Aufnahmen von "Remember Me" für
den "Armageddon" Soundtrack.
Die andere lustige Geschichte ist, wie wir zu Deen
kamen…kamen… ich hatte ihn bereits mit Neal Schon und Jonathan Cain in Bad
English gesehen, wo ich ihn überhaupt nicht mochte! Um ehrlich zu sein, ich war
auf faszinierende Art geschockt von seinem Spiel. Als mich also die anderen
anriefen, und mir erzählten, dass Deen in der reformierten Band sein würde,
wusste ich nicht genau, ob ich lachen oder weinen sollte. Und unser erstes
Treffen war etwas seltsam – bis wir merkten, dass wir durchaus zusammen
passten, und uns eigentlich sogar sehr ähnlich waren".
Deen: "Aber um ehrlich zu sein, es ist immer noch
stressig. Oh Mann, dieser Job ist so anstrengend"!
Ross: "Kein Spaß, immer Ärger, dies ist ein harter Job"!
Weswegen es auch
immer so lange dauert, bis ihr ein neues Album veröffentlicht….
Ross: "Es gäbe dazu eine lustige Antwort, aber die
Wahrheit ist: Es ist typisch für Journey, Material zu veröffentlichen, das
nicht immer genau den Kern trifft, den die Leute von uns erwarten. Als wir
"Arrival" veröffentlichten, gab es eine Menge Kritik diesbezüglich. Woraufhin
wir uns gesagt haben, ´okay, dann spielen wir erst recht, was wir wollen´ - die
EP "Red 13" war das Ergebnis davon. Und auch als es an das neue
Album, "Generations" ging, haben wir uns auch entschieden, nicht
einfach eine Brücke aus unserer Vergangenheit in die heutige Zeit zu bauen.
Natürlich gibt es gewisse Elemente, die wir immer mit drin haben, die unseren –
hoffentlich – typischen Stil ausmachen, aber wir probieren auch neue Sachen aus".
Deen: "Ich würde aber schon sagen, dass wir heute
dichter am klassischen Journey-Sound sind, als die Band lange war. Im Prinzip
sagen wir uns ja auch, lass uns Musik machen, die die Fans genießen können. Und
die Jungs haben es einfach drauf, Hits zu schreiben. "Generations"
ist ein tolles Album, und es ist typisch Journey – Midwest Heartland America"!
(Und zu Ross: "ich kriege 10 Dollar von Dir")
Um auf die Frage
zurückzukommen: Ihr habt ein neues Label, offensichtlich auch einen neuen
Agenten – wird es trotzdem so lange dauern bis zum nächsten Album?
Ross: "Soll ich Dir was sagen: ´It´s all about radio!´
In Amerika warden wir seit Jahrzehnten im Radio gespielt, sogar, als es die
Band gar nicht gab. In den "Classic Rock Stations", und es waren
immer nur die alten Hits. Wenn man denen mit neuen Sachen kam, sagten die,
schön, sehr schön, aber wir spielen keine neuen Sachen. Und was ist also der
Wert, ein neues Album aufzunehmen und zu veröffentlichen, wenn es einfach nicht
in der Öffentlichkeit abläuft"?