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Der Eine fährt zur
exklusiven Pre-Listening Party über den Dächern Kölns, der Andere lässt sich am
nächsten Tag am Telefon erzählen wie´s war – und wie die Songs sind. Gut, den
Teil will ich hier mal kurz fassen – schon Mitte April könnt Ihr es selbst
hören, aber was Sänger Steve Hogarth sonst noch zum neuen Album "Somewhere
Else" und zu den einzelnen Songs zu erzählen hatte, soll Euch an dieser
Stelle nicht vorenthalten werden.
Die Snippets der CD
(6 Songs in 3:38 min) geben etwas wenig Einblick in das Album, also müsstest Du
mir ein paar mehr zum Album erzählen.
Wir haben angefangen mit dem Jams und dem Schreiben Anfang
2006, mit den Aufnahmen im Juli.
Seit Marbles ist ja
nun auch schon eine ganze Weile vergangen…
Ja, da magst Du Recht haben. Mir kommt es selten so vor, ich
denke immer, das letzte Album ist doch noch ganz neu. Bis man mit der Tour
fertig ist, ist locker ein Jahr vergangen, und ann kommt man wieder zusammen
und spricht über ein neues Album… und plötzlich sagen alle, es wird schon
wieder höchste Zeit.
War es denn nach der
letzten Tour, dass Ihr Euch an das Album gemacht habt?
Ja eigentlich schon. Eigentlich wollten wir nämlich eine EP
raus bringen. Wir wollten mit Mike Hunter einen neuen Mann als Produzenten
ausprobieren, du das haben wir im Herbst 2005 gemacht, haben ein paar Songs
aufgenommen, aber uns dann doch gegen die EP-Idee und uns doch für ein ganzes
Album entschieden. Damit sind wir ins neue Jahr gegangen und dann noch einmal
von vorne angefangen. In der Zwischenzeit hatte ich un- oder glücklicherweise,
ich weiß es nicht, meine Ehe an die Wand gefahren, als wir also wieder
zusammenkamen, hatte ich eine Menge, über das ich schreiben konnte. Anfang 2006
hab ich eigentlich wirklich "Somewhere Else" verbracht, weg von
meiner Familie und den Kindern und abwechselnd in den Häusern der anderen
Bandmitgliedern. Ich hatte ein Leben im Chaos und aus Koffern, aber ich hab´s
wieder auf die Reihe gekriegt. Ich hab eine neue Freundin, ein neues Zuhause
und ich bin wieder glücklich, aber vieles auf dem Album reflektiert dieses
Chaos. Daneben gibt es ein paar Ansätze zur geopolitischen Lage der Welt - „The Last Century For Man“ sagt´s schon im
Titel, ich glaube kaum, dass es Menschen noch weitere 900 Jahre geben wird; „A
Voice From The Past“ kam aus meinen Bemühungen zur ´make poverty history´
Kampagne.
Die Band ist also
Deiner Ehe in die Quere gekommen?
Ja, auch, aber wir haben uns gleichzeitig auch auseinander
gelebt.
Und „The Last Century
For Man“ ist die zweite Ansatz von "Season´s End"?
Nein, es geht eher um Habgier und Geopolitik als um die
Umwelt. Es geht um die Rolle Amerikas in der Welt genauso wie die Chinas und
seines Bevölkerungswachstums im Verhältnis der Weltressourcen.
Ich muss noch einmal
auf die EP zurückkommen: Was war die Idee dahinter?
Wir wollten 4 Songs veröffentlichen – um die Zusammenarbeit
mit MikeHunter auszuprobieren und um mal wieder einen Top 5-Hit zu haben. Das
hätte schon geklappt mit den Fans, die wir weltweit haben du die die gekauft
hätten. Aber dann haben wir uns gesagt, was ist heutzutage ein Top5-Hit
überhaupt wert? Ins Radio würden wir trotzdem nicht unbedingt kommen, und der
einzige Sinn eines Hits wäre ein Album, was man danach hätte verkaufen können –
aber das hatten wir ja eben nicht fertig.
Aber die Idee schien
Euch reizvoll…
Genau, aber je länger wir darüber nachdachten, desto blöder
wurde sie. Also wollten wir lieber ein richtiges, erwachsenes Album machen.
Musikalisch ist jedes
Eurer Alben eine Reaktion auf seinen Vorgänger – inwieweit trifft das auf
"Somewhere Else" zu?
Der Sound ist weniger gestapelt als auf "Marbles",
direkter, es klingt mehr wie eine Band in einem Raum, weniger Effekte, weniger
Glanz und auch die Stimme ist trockener. Aber nicht so rauh wie
"Radiation", eher erwachsen, intelligenter. Aber eben nicht so
produziert wie "Marbles".
Und was die Songs betrifft, da gibt es ein sehr breites
Spektrum – mal wie eine Wall of Sound, wie im Opener, mit psychedelischer
Gitarre bis ein Jazzbreak das ganze komplett woanders hinführt. Musikalisch
passend betitelt „The Other Half“, aber eigentlich ist es ein Song über meine
neue Freundin und wie ich eine andere Hälfte eines Ganzen bin.
Die erste Single "See it like a Baby", mit der
Aussage, dass wir vieles zu ernst nehmen, wir verlieren den unschuldigen Blick,
also sollten wir mal wieder anfangen zu leben! Zu genießen, was wir machen.
"Thankyou Whoever You Are" ist ein Liebeslied –
eigentlich an alle, die ich kenne, die Fans, Freunde. Danke an alle, dass ich
das Glück hatte, Euch zu treffen.
"Most Toys" ist unser kürzester Song, unter drei
Minuten! Und damit wohl näher an PIL als an unseren alten Freunden Genesis.
"Somewhere Else" ist wie gesagt eine Reflektion
darüber, wo ich war, als meine Ehe kaputt ging, und momentan mein
Lieblingslied, textlich wie musikalisch. Wir sind alle sehr stolz auf dieses
Lied, es zeigt wirklich, was wir können.
"A Voice From The Past" wurde geschrieben um eine
kleine Pianomelodie und hat ein Orchesterarrangement, das drumherherum gebaut
wurde. Mike Hunter hat neben unserer Platte an seinem Musikabschluss an der Uni
gearbeitet, und ich glaube, er hat uns auch als Versuchskaninchen benutzt…
(lacht).
"The Wound" startet als Stadio-Rocksong und
wechselt langsam in einen sehr unheimlichen, sonderbaren Song, also ein
weiterer Song, der zwei komplett verschiedene Seiten hat – aber ich will gar
nicht erst versuchen, zu beschreiben, wie er sich anhört.
Aber um auf die Frage zurück zu kommen – ich glaube nicht,
dass die neuen Songs klanglich auf das Marbles Album gepasst hätten. Insofern
ist es schon "Somewhere Else" als "Marbles".
Ihr habt Eure
Veröffentlichungspolitik wieder geändert – keine Vorauszahlung, weniger Special
Edition für die Fans.
Ganz einfach: Wir brauchten die Vorkasse nicht. Und nur aus
dem Grund haben wir die Fans damals in die Gewissenskrise getrieben (lacht).
Natürlich waren die Packages, die wir daraufhin zurückgegeben haben, auch gut,
aber trotzdem wollen wir die Fans nicht überfordern.
Etwas ganz anderes: Das
neue Gazpacho Album erscheint auch bei Racket Records – signt Ihr nun auch
andere Bands?
Nur befreundete und irgendwie mit uns Verbindung stehenden
Bands. Bands, z.B., die uns supported haben, oder die eine andere Verbindung
haben. Richard Barbieri, John Wesley,
z.B.
Gibt es wieder den
Plan für einen "Local Support" auf der nächsten Tour?
Wir haben uns noch nicht entschieden – ich denke, es wird
Zeit.