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Er zählt zu den
großen Gitarristen der britischen Bluesszene und stand auch schon immer für
seine eigene Art der Auslegung dieser Spielart. Aber sein neuestes Album
beweist einmal mehr, dass die langen Jahre, die er als Tourgitarrist mit Pink Floyd
und Roger Waters unterwegs war, nicht (musikalisch) spurlos an ihm vorüber
gegangen sind. Oder ist es einfach nur die Verbindung seiner Stationen, die
u.a. auch Peter Green oder Thin Lizzy hießen. Bevor er im Sommer wieder mit
Roger Waters auf der Bühne steht, sprach Ralf Koch mit dem Gibson Les Paul-Fan.
Man bringt dich in
erster Linie mit Blues in Verbindung – eine überflüssige Reduzierung?
Das kann ich gar nicht so einfach beantworten, weil die
Musik der White Flames in der Tat nicht so einfach zu klassifizieren ist. Aber
ich sage in der Regel, dass ich ein Bluesgitarrist bin, ich spiele nur nicht
nur Bluesmusik. Aber durch meine Gitarre erhält es dann meist doch einen
gewissen Blues-Touch. Anders kann ich nämlich gar nicht spielen.
Ich denke, die
meisten verbinden dich eh mit Blues…
Wenn man normalerweise an Blues denkt, denkt man an
Zwölftakt und Shuffle oder den langsamen Blues – und oft ist es das auch, aber
man muss es ja nicht darauf reduzieren. Mache ich jedenfalls nicht für mich.
Nun, immerhin hast Du
ja lange Jahre für Pink Floyd gespielt – die auch oft als melodische Bluesband
gesehen werden.
Ja, ich weiß (lacht), und in gewisser Weise stimmt das ja
auch, denn ihre Musik hat eine gewisse Simplizität, von David Gilmours
Blues-getränktem Gitarrenspiel ganz zu schweigen. Aber dieses ganze
Klassifizierungs-Ding ist letzten Endes doch eine Verkaufsstrategie, denn es
kommt ja darauf an, in welche Box du es legst und welche Zielgruppe du
versuchst, anzusprechen. Und da passen die White Flames nun einmal am besten in
die Blues-Schublade.
Was sind denn deine
Einflüsse – und inwieweit haben z.B. auch Pink Floyd deine Musik beeinflusst?
Ich glaube nicht, dass sie mich überhaupt beeinflusst haben.
Als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, da war das, weil ich wissen
wollte, wie es sich anfühlte, diese klasse Bluesschemen zu spielen, die ich
damals gehört habe – BBKing, Albert King. Und damals hab ich auch noch gar
nichts anderes gehört als Blues. Ich kannte Floyd lange Zeit gar nicht, ich war
wahrscheinlich lange Zeit der einzige Brite, der „Dark Side of the Moon“ nicht
gehört hatte… aber dann rief mich mein Manager an und sagte mir, ich sollte
David (Gilmour) mal zurückrufen, er hätte versucht mich zu erreichen.
Nun, mittlerweile kenne ich sie offensichtlich, aber es ist
schwer zu sagen, inwieweit sie mich beeinflusst haben. Man wird ja irgendwie
von allem beeinflusst, was man hört – bewusst oder nicht.
Was hat dich am Blues
so gereizt?
Es war diese eine ganz bestimmte Seite, die einfachere, soulvolle
Seite, nicht die Laute, verzerrte, schnelle Art. Ich wollte Gefühl… und als ich
Peter Green traf, war es genau was ich suchte.
Ihr habt in den
frühen 70ern zusammen gespielt…
Ja, ich habe mit meiner Band auf seinem Album gespielt –
weil er keine eigene Band hatte.
Zurück zu Deinem
Album – der Opener ist ein grandioses Stück Rockmusik, oder?
Ja, wahrscheinlich mehr Rock als Blues, aber irgendwie auch
das nicht, oder? Ich meine, wenn du schreibst, es ist ein Rocksong, dann könnte
auch wieder ein falscher Eindruck entstehen.
Was ist denn deine
Motivation für deine Songs heute?
Ich ziehe es immer noch vor, das Ganze nicht zu hektisch
werden zu lassen, ich wähle meine Noten lieber sorgfältig aus. Aber das mache
ich seit 30 Jahren nicht groß anders, mit dem Unterschied, dass ich heute
besser spiele (hoffe ich) und ein bisschen mehr über Aufnahmen weiß. Das kann
ich zumindest über dieses Album sagen – in meinem Kopf habe ich schon wieder
das nächste, und das wird dann durchaus neue Töne anschlagen. Ich meine, dieses
Album habe ich über die Zeit der letzten drei Jahre aufgenommen – ich habe es
nicht früher fertig bekommen, weil ich die ganze Zeit mit Roger Waters
unterwegs war.
Es gibt diese reinen
Blues-Tracks, daneben so ein bisschen die Gary Moore-Blues-Richtung –hast Du
mit ihm gespielt?
Ich kannte ihn, seit er 17 war, aber wir haben nie zusammen
gespielt. Wir haben uns unterhalten, ich hatte ihn ja abgelöst bei Thin Lizzy.
Gibt es da eine
gemeinsame musikalische Basis?
Ja, Blues (lacht). Aber er hat ja schon eine eher auf
Schnelligkeit ausgelegte Spielart… manchmal. Aber Basis, ja ich glaube schon,
dass es da Parallelen gibt. Aber das trifft natürlich auch auf viele andere
Bluesgitarrist zu. Und dann entwickelt sich jeder eben ein bisschen anders
weiter… hoffentlich.
Was hat dich damals
an Thin Lizzy gereizt?
Sie fragten mich, ob ich Zeit hätte und ich wollte gerne auf die Straße, also
passte das. Das war ja alles, bevor ich meine eigene Hitplatte hatte, also war
ich froh über solche Jobs. Und Thin Lizzy war ja schon eine Hausnummer. Und
danach 1983/84 kam meine Hitsingle „Bird of Paradise“, dann lief es ein
bisschen anders. Ich meine, damals musste man schon richtig Platten verkaufen,
um auf Platz 3 zu klettern… ich habe eine zeitlang 20.000 Platten am Tag
verkauft. Those were the days… (lacht).
In ein paar Songs
gibt es ein wenig Latin- / Santana-Flair…
Ja, ich mag das. Und ich habe eine Rhythmusabteilung, die
das gerne und gut – und sehr natürlich umsetzt. Deswegen macht das Spaß! Ja,
ich liebe diese Latin-Richtung. Ich meine, ich mache eh nur Musik, die ich
befriedigend finde, die ich machen möchte – die großen Verkaufszahlen erreiche
ich ohnehin nicht mehr.
Und dann wiederum
gibt es dieses Konzeptalbum-Flair…
Ja, fühlt sich fast so an, oder?
Das hat schon eine
Pink Floyd Schlagseite… - auch musikalisch.
Ja, ist das so? Ich meine, ich hab das schon mal gehört,
aber es ist nicht bewusst so entstanden. Ich habe nichts dagegen, Pink Floyd
sind großartig!
Ich fragte mich, ob
das absichtlich war – oder zumindest absichtlich nachträglich nicht geändert…
Hehehe… ich höre das gar nicht so raus, ehrlich. Das ist von
meinem Unterbewusstsein gesteuert. Ich würde nichts bewusst machen, damit es
wie – z.B. Pink Floyd – klingt. Aber ich könnte noch zu bedenken geben, dass
ein Großteil der Platte entstanden ist, WÄHREND ich mit Roger Waters auf Tour
war – da ist man vielleicht auch geprägt… unterbewusst.
Gibt es eigentlich
noch eine Zukunft von Pink Floyd?
Ich weiß nicht, ich glaube eher nicht. Floyd ist ja mehr oder weniger nur noch
David Gilmour, ein bisschen noch Nick Mason und Rick Wright ist gestorben…
David ist ziemlich zufrieden mit seinem Leben und er muss momentan auch
niemandem etwas beweisen, also fürchte ich, da wird es derzeit nichts geben.
Und Roger Waters ist ja solo sehr aktiv und auch sehr glücklich mit dem, was er
macht.
Diese Glück
beinhaltet, dass Waters sich wieder intensiv mit seiner Floyd-Vergangenheit
auseinander setzt… was auch lange anders war, oder?
Roger ist sehr froh über das, was er mit Floyd geschaffen
hat und er freut sich noch mehr, dass es jetzt endlich die Technik gibt, das
adäquat umzusetzen, eine Show in Dimensionen, die er seit den 80ern im Kopf
hatte. Diese Show ist ein optisches Fest – mit Projektionen, Lichteffekten,
Feinheiten, die früher nicht einmal ansatzweise möglich waren. Deswegen macht
Roger das. Abgesehen davon sieht er, dass das Thema traurigerweise immer noch
die gleiche Brisanz und Relevanz hat, die Texte, die Mauern zwischen den
Ländern, das Töten ohne erkennbaren Grund – da gibt es immer noch eine Menge zu
sagen.
Ihr werdet eine Weile
auf Tour sein – hast Du Zeit, das neue Album zu promoten?
Sieht momentan nicht so aus, vielleicht gibt es im herbst
ein wenig Zeit. Und der Herbst wäre sonst auch die Zeit, in der ich mich um
mein nächstes Album kümmern könnte. Also irgendetwas in der Richtung wird es
sein – WENN die Tour mit Roger Waters nicht noch eine weitere Verlängerung
vorsieht.
Die White Flames
waren ja mal zu dritt…
Ja, und ich muss ganz ehrlich sagen, das war die beste Zeit,
die wir hatten. Die Anfangszeit der White Flames in den 70ern war einmalig, wir
hatten kleine Clubs, waren spontan, hatten immens viel Spaß, haben alles selbst
organisiert, ich blick sehr gerne darauf zurück. Das war mein Nukleus, um den
sich die Band auch heute noch dreht, aber manchmal wechseln die Mitglieder,
dazu haben wir seit rund zehn Jahren einen Keyboarder dabei – so kann ich mich
auch um andere Sound kümmern. Als Trio hast Du zwar alle Freiheiten – für Jams
und andere Spontaneitäten, aber ich kann mehr machen, wenn ein Keyboarder dabei
ist.