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Das vielleicht mit
der größten Spannung erwartete Progressivrock-Album des Jahres! Wie würde es
weiter gehen ohne Neal Morse? Wie sollte man die Vorabmeldungen deuten, die von
einem ´härteren, strafferen Sound´ sprachen? Seit dem 30. Juni können wir
kollektiv aufatmen – rockiger ja, auch ein bisschen rauher vielleicht, aber
trotzdem doch mit allen wichtigen S.B.-Trademarks – und vor allem mit einem
brillantem, abwechslunsgreichem Sänger Nick D´Virgilio. Zu den Hintergründen
hier ein Gespräch mit den beiden neuen ´Frontmen´, Neal´s Bruder Alan Morse und
Nick.
Alan, das erste Album
ohne Neal – wie war es für Dich?
Es hat Spaß gemacht! Es war gut!
Was war anders?
Neal war nicht da (lacht). Nein, ich denke, es ist ein
bisschen anders geworden, als unsere früheren Sachen. Und Ich hatte einen
wesentlich größeren kreativen Input. Wir alle hatten. Mehr als je, ich meine
jeder von uns hat mindestens einen der Songs geschrieben.
War es logisch, dass
die Musik sich geändert hat?
Es passierte einfach. Wir hatten Diskussionen darüber, und
wir waren uns einig, dass wir in diese Richtung gehen. Um ehrlich zu sein, für
mich war es keine bewusste Entscheidung, für mich klingt es gar nicht so
anders. Das Album klingt eher wie die Demo-Mixe zu den bisherigen Alben – eben
gitarrenorientierter. Nur wurde das in der Vergangenheit meist im Endmix
reduziert – bzw. es kamen immer noch so viele Elemente dazu, dass die Gitarre
weniger dominant und laut war.
Du meinst also, Deine
Gitarre wurde früher zu sehr in den Hintergrund gedrängt.
Nein, ich jetzt nicht übertreiben, aber sie waren nicht ganz
so laut, wie ich sie gerne gehabt hätte.
Ich denke, die neue
Produktion ist sehr rockig.
Ja, ich würde sogar sagen, es ist vielleicht die Platte, die
am besten klingt bisher. Rich (Mouser) hat einen tollen Job gemacht. Er war
dieses Mal auch schon während der Aufnahmen dabei, also hatte er einen etwas
größeren Einfluss als früher.
Und offensichtlich
ist er auch eher der Gitarren-Typ.
Ja, er mag Gitarren (lacht). Er spielt auch selber Gitarre
(lacht). Nein, der Sound ist einfach offener, es gibt weniger Lagen, die
übereinander gelegt wurde, vor allem was die Keyboards betrifft.
Ich fragte mich
gerade, was Ryo wohl dazu gesagt hat...
...ich habe nicht gehört, dass er sich beschwert hätte. Ich
meine, es gibt ja trotzdem viele Keyboard-Parts...
...naja, und er hatte
eh immer diese Rock´n´Roll-Attitüde.
Ja, das stimmt. Und außerdem spielt er nun alle
Keyboard-Parts alleine, also worüber sollte er sich beschweren?
Wann habt Ihr Euch
entschieden, weiterzumachen, wann habt Ihr angefangen, Songs für das neue Album
zu schreiben?
Eigentlich sofort, als klar wurde, dass Neal seine Meinung
nicht ändern würde. Aber ich habe eh schon immer geschrieben
Hast Du schon immer
geschrieben?
Ja, aber es ist nicht viel davon auf Spock´s Alben gelandet
(lacht)
Habt Ihr anfangs
darüber nachgedacht, einen neuen Sänger zu holen?
Ja, nachgedacht haben wir darüber. Aber Nick sagte, er wolle
das machen, er könnte sich das vorstellen. Und er hatte eh schon immer
mitgesungen, er wusste also am ehesten, worum es ging. Und war er auch am
ehesten der, den man mit Spock´s Beard identifizieren würde. Und ich bin froh,
dass wir uns so entschieden haben, er ist exzellent! Spätestens, als wir
anfingen, aufzunehmen, dachte ich nur noch, `Oh Mann, keine weiteren Fragen´.
Manchmal klingt er
sogar wie Neal, würde ich sagen. Wie am Anfang von „Bottom Line“. Aber
insgesamt singt er einfach unglaublich abwechslungsreich.
Ja, bisher kannten wir nur seine hohe Stimme, und ich
dachte, sie hätten eine eher sehr unterschiedliche Stimme, aber jetzt wissen
wir erst, welche Kapazitäten er hat! Die Songs sind fast so etwas wie ein
„Nick´s Vocal Showcase“ geworden (lacht).
Habt Ihr schon mal
alte Songs ausprobiert?
Nein bisher nicht, aber ich glaube nicht, dass das ein
Problem wird.
Du meinst also, er wird auch keine Probleme haben, das den
ganzen Abend und sogar eine ganze Tour durchzuhalten?
Nein, das macht mir auch keine Sorgen. Seine Stimme ist sehr
stark.
Und auf Tour werdet
Ihr also einen neuen Drummer nehmen?
Ja, so ist das geplant. Nick wird zwar bestimmt
zwischendurch auch ans Schlagzeug gehen, aber in erster Linie wird er der
Frontmann sein.
Zwei der Songs auf
dem neuen Album sind von Dir – „Onomatopeia“ und „East of Eden“.
Ja, und einer der Bonustracks auf dem Digipack.
„Onomatopeia“ ist ein ziemlich straighter Rocksong geworden, abgesehen von der
Bridge. Und „East of Eden, West of Memphis“, den wir zusammen geschrieben
haben. Der basiert auf einem Riff, den ich schon vor längerer Zeit mal
aufgenommen hatte. Ich glaube sogar vor „Snow“ schon. Und als ich mich so durch
meine Ideen hörte, dachte ich, ´hey das ist doch etwas, was man weiter
verfolgen sollte´. Das ist mein Lieblingstrack, einfach weil er so
abwechslungsreich ist – und weil Ryo da sein vielleicht bestes Solo jemals
aufgenommen hat.
East of Eden könnte
fast eine Single sein!
Ja, wenn wir den progressiven Schwanz abschneiden. Wir
sollten darüber nachdenken.
Wie viele Songs
hattet Ihr, aus denen Ihr auswählen konntet?
Gar nicht so viele mehr, als wir jetzt im Endeffekt auf dem
Album und der Bonus-Disc verewigt haben. Wir hatten nur die guten Ideen weiter
bearbeitet, und im Endeffekt wollten wir das Album ja auch so schnell wie
möglich veröffentlichen.
Auf der Bonus-Disc
hört man Dich sogar singen!
Ja, mit Spock´s Beard ist das mein Debüt. I´m steppin out!
(lacht)
Spielt Ihr den live?
Ich weiß es noch nicht, ich glaube eher nicht.
Was wollt Ihr
überhaupt live spielen?
Natürlich viel von dem neuen Album, und natürlich eine Menge
„Snow“, das gab´s ja bisher auch kaum live bisher. Und dann natürlich die
Klassiker, vielleicht ein paar Specials. Ich denke, es könnte schon etwas
anders werden.
Was hat sich geändert
für Euch im Hinblick auf Eure Position in der Band?
Ich denke, es ist etwas ausgeglichener geworden. Neal war ja
schon der Frontmann bisher.
Ich hatte mehrmals
mit Neal über Veränderungen gesprochen, und er sagte immer, er könne nur machen,
was aus ihm heraus kommt. Nun ist er weg, und ihr habt wirklich geschafft, den
Spock´s Sound mit neuen Elementen zu erweitern. War Neal´s Abschied die Chance
dafür?
Hmm, vielleicht. Ich meine, wir haben immer versucht, ein
paar neue Elemente mit hineinzubringen, aber es gab immer Dinge, die Neal nicht
so mochte, und die wir deswegen einfach nicht gemacht haben. Und solche Sachen
haben wir jetzt vielleicht mehr gemacht.
So wie die rockigere
Seite?
Nicht ganz so, ich denke das eher an die Sequenzer-Sachen.
Das wäre das andere, was ich gefragt hätte...
Ja, er mochte das nie so. Ich denke, er hätte den neuen
Titeltrack nicht gemocht. Er ist mehr der Song-Typ, weniger der „Vibe-Typ“. Bei
„Feel Euphoria“ hätte er gefragt, ´hey, wo ist der Song´?
Das war im Prinzip
der einzige Song, von dem ich dachte, ob e nicht doch ein bisschen zu weit
ginge...
Findest Du? Vielleicht ist es das, aber wir haben´s
probiert! Am Anfang war das ein Instrumentalsong, und wir hatten ihn mehr oder
weniger fertig, als Nick sagte, er hätte vielleicht doch einen Text dafür.
Und am Ende wurde er
sogar das Titelstück!
Ja, irgendwie musste man das ja nennen, und von den Titeln
war es der einzige, der gut für einen Titel war.
Er meint also nicht
wirklich etwas für Dich? Ich meine man könnte eine Menge hinein
interpretieren...
Nicht unbedingt. Hmm. Klingt doch cool. Tja, vielleicht
haben wir diese Euphorie gefühlt.
Alan, ich muss das
jetzt fragen: was macht Neal?
Er arbeitet an seinem Soloalbum.
Wirklich? Warum kann
er das und nicht bei Spock´s Beard sein?
Ich habe keine Ahnung, frag mich nicht. Das musst Du ihn
fragen. Ist schon ein bisschen seltsam.
Aus heutiger Sicht:
hättest Du lieber, dass er zurück kommt?
Well, jetzt im Moment eher nicht. Aber ich will nicht sagen,
dass es nicht passieren könnte. Ich weiß nicht, vielleicht könnte es passieren.
Ich meine a auch nicht, ob das passieren könnte, sondern ob
Du das wolltest!
Hmm. Im Moment müsste ich das nicht haben. Wir wollen erst
einmal sehen, was wir ohne ihn erreichen können. Denn wer kann schon sagen, ob
es jemals wieder anders werden wird. Momentan gibt es keine solche Pläne.
Wie geht´s seiner
Tochter?
Gut. Wunderbar.
Ich meine sie war ja
ein Auslöser für Neal, oder?
Vielleicht. Ich weiß nicht, ob das wirklich so war.
Ich will Ihr das ja
jetzt nicht in die Stube schieben
Klar, die Yoko Ono für Spock´s Beard (lacht). I´m kidding,
I´m kidding! Es war seine Entscheidung, er wollte mehr bei seiner Familie sein.
Teil II:
Nick D´Virgilio war
zum Zeitpunkt unseres Gesprächs gerade an der Ostküste auf Tour mit Fates
Warning - in dem unglaublichen Package mit Dream Theater und Queensryche! Nick,
wie kamen sie auf Dich?
Der Drummer hatte familiäre Probleme, und irgendjemand gab
Irgendjemandem meine Nummer, also helfe ich aus.
Wer ist Headliner?
Queensryche und Dream Theater wechseln sich ab, Fates sind
der Opener.
Haben Fates Warning
denn ein neues Album?
Nein.
Aber Ihr habt ein
neues Album! Und was für ein großartiges dazu! Ich muss ja ehrlich zugeben,
dass ich etwas Angst hatte, bevor ich es zum ersten Mal hörte... was ist anders
für Dich?
Oh, a whole hell of a lot! Ich bin jetzt halber Bandleader
zusammen mit Alan, ich singe, ich schreibe Songs, es bedeutet definitiv eine
Menge mehr Arbeit. Aber es ist ok für mich.
Wie war es, zum
ersten Mal ohne Neal aufzunehmen?
Ein bisschen seltsam erst, aber wir haben´s ziemlich schnell
hingekriegt. Es dauerte erst einmal ein bisschen, bis wir im richtigen Vibe
waren, bis wir einen neuen Weg gefudnen hatten. Neal hatte ein bestimmte Art zu
arbeiten, da mussten wir uns erst einmal umgewöhnen.
War es logisch, dass
sich der Stil ein bisschen ändert?
Ich glaube schon. Natürlich wollten wir schon prinzipiell
weiter laufen lassen, was wir in all den Jahren erreicht hatten. Aber ich hatte
Lust, die Sache etwas rockiger zu machen, weil es das ist, was ich momentan
gerne mag. Aber natürlich sollte es keine allzu große Veränderung werden. Ich
glaube, wir haben einen guten Mittelweg gefunden.
Ist das der Stil, den
Ihr wolltet, oder ist das ein erster Schritt irgendwo hin?
Ich weiß nicht, wo es uns hinführt, aber wir sind 100%ig
zufrieden mit dem was es jetzt ist. Es hat einfach Spaß gemacht.
War Neals Weggang
nötig, um diese Änderung zu ermöglichen?
Absolut! Ich habe seit Jahren versucht, mehr für die Band zu
schreiben, habe Songideen eingebracht, aber dann kam Neal wieder mit einem
Riesenhaufen neuer Ideen, und im Endeffekt haben wir doch die verwendet, weil
die einfach zu gut waren.
Neal hat die meisten
Songs eingebracht – wie sehr war es also sein Baby?
Lustig, dass Du das fragst, da war gerade eine solche
Diskussion im Internet. S.B. waren immer definitiv eine Band, wir alle 5 haben
alle dazu beigetragen, wie es am Ende geklungen hat. Es war egal, von wem die
Musik kam. Al, Neal und ich haben diese Band gegründet, Neal war nur einfach
der Hauptsongwriter. So sehe ich das zumindest, es mag andere Meinungen geben.
War es ein Schock,
als Neal seinen Abschied verkündete.
Total. Ich wusste gar nicht, worüber er redet. Ich dachte,
er sei verrückt. Nach all den Jahren. Aber dann haben wir darüber geredet, und
es war ziemlich schnell klar, dass wir weitermachen wollten. Also fing ich an,
neue Songs zu schreiben, Alan fing an, und als klar war, dass es so bleiben
würde, haben wir die Chance am Schopf gepackt.
Habt Ihr eigentlich
andere Sänger ausprobiert?
Nein, um ehrlich zu sein, ich wollte singen. Von Anfang an.
Ich musste die anderen erst ein bisschen überzeugen, aber ich war mir sicher,
dass es das war, was ich wollte. Schon immer eigentlich. Es war eigentlich nur
eine natürlich Entwicklung für mich.
Hast Du
Gesangsunterricht genommen?
Nein, ich singe, seit ich ein kleines Kind bin. Ich habe
auch schon mal Gesangsunterricht genommen, aber ich glaube, ich meine Stimme
reift, je älter ich werde.
Ja, aber nicht einmal
auf Deinem Soloalbum warst Du so vielseitig!
Nein, ich weiß. Vielleicht fehlte mir einfach die
Gelegenheit. Und dann bin ich da rein gewachsen. Ich habe mehr versucht, wie
ein Rocksänger zu singen, habe viele andere Sänger studiert – Chris Cornell,
David Sylvian, Dio, Zeppelin, all so was.
David Sylvian – was
für ein Rocksänger...
Ja, ich weiß, aber er hat einfach den Vibe!
Sind Singles geplant?
Ich hoffe es. Erst einmal muss der Ball ins Rollen kommen.
Der erste Teil von „East of Eden“ wäre gut, oder „Shining Star“ vielleicht,
auch wenn das mehr eine normale Pop-Rockballade ist. Aber wir versuchen, so
viel wie möglich mit diesem Album zu erreichen.
Schade eigentlich,
dass „Snow“ durch Neals Ausstieg so untergegangen ist!
Ich weiß, es ist eine Schande. Ich hatte so große Pläne mit
„Snow“, also ist es sehr schade, dass wir nicht dazu gekommen sind, da mehr
draus zu machen. Aber so ist das Leben, was hätten wir machen sollen? Aber
„Snow“ wird einen großen Teil unserer Live-Shows ausmachen, denke ich. Soweit
ich dazu komme, versuche ich schon, mir ein paar Gedanken zu den Shows zu
machen. Im Oktober geht´s in Europa los!
Nochmal zurück zu
Neal: warst Du enttäuscht über seine Entscheidung?
Ja. Absolut. Sicher.
Mittlerweile bist Du
der Frontmann – würdest Du wollen, dass er zurück kommt?
Ooh Jesus! Nein. Das bezweifle ich. Es hat sich viel
geändert. Ich meine, man kann nicht wirklich nein sagen, aber im Moment? Nein.
Ich habe so viel Zeit und Mühe darauf verwendet, um das jetzt zurück zu ändern.
Niemand kann sagen, wie es in der Zukunft wird, aber momentan müssen wir erst
einmal sehen, wie weit wir es so schaffen. Aber wir werden sehen, was passiert,
passiert, ich bin immer offen für neue Dinge.
Warum kann Neal an
seinem Soloalbum arbeiten, und nicht bei Spock´s Beard singen?
Ich habe mir die selbe Frage so oft gestellt, aber ich weiß
es nicht. Ich habe aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen. Das Leben geht
weiter, dies ist mein Fokus jetzt.
Hast Du einen
Lieblings-Track auf dem neuen Album?
Ich weiß es nicht. Es sind viele. Ich mag „The Bottom Line“
sehr, „Carry on“, „A Guy named Sid“. Und „Feel Euphoria“, da ist einfach so
viel Energie drin. Und so viel Spaß, wir haben noch nie so etwas gemacht. Ich
liebe, dass es so verrückt ist. Das wird live der Hammer werden: ich schließe
meine Augen und dresche auf die Fälle ein und wir werden immer schneller - der
Song hat Befreiungsqualitäten für mich.
Das wird also einer
der Songs, in denen Du wieder Drums spielst?
Ja, den lasse ich mir nicht nehmen.
Erstaunlicherweise
habe ich etwas von Plänen für weitere Akustik-Gigs gelesen – wie werden die
aussehen, und werden wir hier auch in den Genuss kommen?
Von mir aus gerne! Wir touren Europa im Oktober, in den
Staaten im November, und dann werden wir ungefähr im Februar noch einmal nach
Europa kommen. Und dazwischen wäre die Möglichkeit, ein paar Shows bei Euch zu
geben. Nur ich alleine. Mal sehen, ob das klappt!