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Endlich mal wieder in Deutschland auf Tour, das darf man
natürlich nicht verpassen! Und wenn sie schon gerade da sind, wäre es natürlich
auch toll, wenn man sie für die „Progressive Rock Hour“ vor´s Mikro bekommen
könnte.... Gefragt getan! Vor dem Konzert hatte ich die Gelegenheit, mich mit Billy Sherwood und Altmeister Alan White zu unterhalten.
SRM: Billy, laß uns
mit Dir beginnen: Du kommst von World Trade, also einer Band, die den
„80er-Jahre-YES“ sehr ähnlich war, wie ist es, mit Yes zusammenzuarbeiten?
Billy: Es ist
eigentlich sehr einfach – weil mich dieses Yes-Ding schon immer verfolgt hat –
auch mit meiner ersten Band LOGIC (eine Platte auf A&M, Anm. der Red.), und
alle sagten immer ´he, das klingt wie Yes`, aber das habe ich immer postiv
verstanden, weil YES eine meiner Lieblingsbands sind.
SRM: Aber es ist dann
kein eigener Sound, sondern nur ein ge-coverter...
Billy: Das könnte man sagen, aber wenn Du Dir z.B.
die Texte ankuckst, haben die wiederum nichts mit YES zu tun – sie sind viel
direkter. WORLD TRADE waren ja auch eigentlich keine Progressivrock-Band, eher
Pop mit einem kleinen progressiven „Dreh“. Ich meine was ist Progressivrock?
Das hat immer diesen Namen bei sich, der ihn in diese Ecke drängt. Und das ist
ein bißchen unfair, denn wenn Du Deine Musikalität beweisen willst, und
anfängst, ein bißchen herumzuplänkeln, kriegst Du gleich diesen Stempel
aufgedrückt. Aber noch etwas anderes: alle sagen, wir klangen nach Yes, aber
die Vocals hatten viel mehr mit GENTLE GIANT zu tun, was niemand bemerkt zu
haben scheint. GENTLE GIANT waren meine „favorite vocal band“, und deshalb war
auch viel von GENTLE GIANT drin, aber die Musik hatte eben diesen Yes-Stil.
SRM: Es gab zwei
Veröffentlichungen mit WORLD TRADE; wird es noch weitere geben?
Billy: Mal sehen.
Im Moment bin ich erst einmal bei Yes eingespannt. Wenn es dann mal wieder Zeit
geben wird, was ich jetzt noch nicht sehe, vielleicht, aber man weiß ja nie.
SRM: Wie bist Du
letzendlich zu Yes gekommen?
Billy: Chris
(Squire) war ein Fan von WORLD TRADE, und er kam herüber und wir lernten uns
kennen. Dann schrieben wir „The more we live“ für´s „Union“-Album zusammen und
nach und nach lernte ich den Rest der Band kennen. Und plötzlich war ich auch
schon mittendrin, tourte mit ihnen 1994 auf der „Talk-Tour“ als Gitarrist und
Keyboarder, produzierte ihre „Keys to Ascension“-Alben und schrieb mit für
„Open your Eyes“. Du jetzt bin ich offizielles Mitglied.
SRM: „Keys to Ascension I“ erschien im April ´96,
Part II dann erst 1 ½ Jahre später und auch noch zeitgleich mit „Open your
Eyes“ – ist das nicht eine etwas seltsame V.Ö.-Politik, und sollte „K.t.A. II“
nicht schon viel früher erscheinen?
Alan: Ja, ich
glaube Essential Records wollte dann aber warten, bis zu unserer Tour, die vor
Weihnachten in Amerika startete. Und Eagle Records war die Plattenfirma für
„Open Your Eyes“, die wollte natürlich auch davon profitieren, daß wir auf
Tournee sind. Ich glaube aber auch, daß die beiden Alben so unterschiedlich
sind, daß sie beide Berechtigung haben.
SRM: Könnt Ihr die
Unterschiede erklären?
Billy: „Keys to
Ascension“ ist das klassische Yes-Line up, und die Musik geht dann auch mehr
zurück in die 70er Richtung von totaler artistischer Freiheit – lange Stücke,
Tempowechsel usw., „Open your Eyes“ ist viel bodenständiger, songorientierter,
im „90125“- oder „Big Generator“-Stil. Das ist eine andere Art von Yes-Album,
aber ich glaube, es bringt auch nicht viel, sich immer wieder zu wiederholen,
damit kommt man nicht weiter.
SRM: Welches Album
ist besser?...
Billy: Sie sind
beide gut. Ich meine, wie wählt man das beste Yes-Album? Ich meine, was ist
„besser“ in der Musik oder in der Kunst allgemein?
Alan: Diese Frage
kam schon öfter. Und wirklich, sie sind alle verschieden. Wenn ich diese ganzen
Alben betrachte, sehe ich mein ganzes Leben, ich sehe was wir durchgemacht
haben, um sie zu machen. Wenn Du sie
musikalisch betrachten willst, meinetwegen als rythmisch-experimentell – da war
„Relayer“ ein tolles Album und „Topographic“ und „Tormato“, aber man kann jedes
Album wirklich unterschiedlich betrachten. Ich glaube z.B., daß „Talk“ eines
der unterbewertetsten Alben war, das wir je gemacht haben. Viel Zeit und
Energie gingen in großartige Songs, aber die Öffentlichkeit schien das nicht zu
meinen. Die Band ist sehr vielseitig und es hängt von der Stimmung ab, was für
ein Album entsteht, auch wenn es immer so klingt, als wenn die Band durch
verschiedene Ären gegangen wäre. Es ist einfach etwas, was passiert, ohne zu
planen. Z.B. denken wir auch schon wieder über ein neues Album nach, und es
wird wieder so sein, daß wir uns alle treffen, und jeder bringt seine Ideen ein
und erst am Ende werden wir wissen, was dabei herauskommt. Man kann es nicht
vorhersagen, Yes ist ein sehr wechselhaftes Tier, das jedes Gesicht annehmen
kann. Das Album wird dann wahrscheinlich im Sommer ´99 herauskommen – so zur
Jahrtausendwende. Im Gegensatz zu Billy würde ich z.B. auch sagen, daß die Band
mit „Open your Eyes“ zwar irgendwie kommerzieller ist, aber es hat auch viel
von den 70ern in der Musik. Ich würde sagen, wir benutzen den Sound und die
Einstellung aus den 70ern mit einem 90125-Feeling, also den 80ern in manchen
Songs, aber gespielt in den 90ern. Das faßt es zusammen, glaube ich.
SRM: Die Stücke der
beiden „Keys“-Alben – sind die alle zur selben Zeit geschrieben worden?
Alan: Ja,
ungefähr. Viele von ihnen.
SRM: Und für „Open
your Eyes“ später...
Alan: Das waren
eigentlich Songs, die Billy und Chris geschrieben haben, nur um etwas zu
machen, also gingen sie ins Studio, und schrieben was. Eigentlich für ein Chris
Squire-Solo-Album, aber dann wurden sie wirklich gut, und sie wollten den Input
der anderen aus der Band, was sie dann auch mehr zu Yes-Songs machte.
SRM: Rick Wakeman hat
die Band verlassen – für immer oder ist es einfach eine neue Phase, mal wieder
ohne ihn?
Alan: Kann man
auch nie sagen. So viele Leute sind bei Yes ein- und ausgestiegen, aber das
momentane Line-up arbeitet sehr eng zusammen, und ich könnte mir schon
vorstellen, daß wir so eine ganze Weile zusammen bleiben. Mit Rick war das so:
er wollte einfach nicht mehr länger auf Tournee gehen und er hatte ein anderes
Projekt, an dem er interessiert war, naja und dann gab es noch ein paar geschäftliche
Dinge, die ich nicht erwähnen kann – das kam alles zusammen, und wir haben
einen Schritt nach vorne machen, und so kam eben ein neuer Keyboarder,
Billy: Igor
Khoroshev. Er kommt aus Rußland, lebt aber in Amerika. Jon hatte Tapes von ihm
gehört.
SRM: Ich frage ja
immer wieder gerne: wie entstehen Eure Songs?
Alan: Meistens
kommt Jon oder irgendjemand mit einem Song – das wird dann das Herz der Idee,
die dann einfach weiterentwickelt wird. Manchmal wird es dann ein Epos,
manchmal wird´s nur 10 Minuten lang, manchmal bleibt´s einfach ein Song. Das
hängt von der Stimmung ab, von den Ideen, wie die Ideen zusammenpassen.
Manchmal wird´s fast endlos, und man muß einfach irgendwann „die Kappe
aufsetzen“ und sagen, das reicht jetzt, wir sind schon bei 18 Minuten!
SRM: Alan, zum
Abschluß eine Frage eher an Dich... wenn Du so zurückschaust - habt Ihr
erreicht, was Ihr erreichen wolltet? Wie lange wird es Yes noch geben?
Alan: Ich glaube,
die Band hat eine Menge erreicht – und tut´s immer noch. Ich glaube, wir schauen
immer noch nach vorne. Ich meine, kuck Dir unsere Show an! Wir spielen so gut
wie immer, und so lange wir das so können, werden wir das auch weiter tun.