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Seit 15 Jahren ist
das Akustik-Duo Constanze Constanze
Friend (Vocals) und Thomas Fellow (Gitarre) gemeinsam unterwegs und verbinden "die Intensität des
Blues, den Klang des Soul und die Freiheit des Jazz" auf einzigartige
Weise. Nach weit über 1000 Konzerten weltweit von China bis zu den USA sowie
Auftritten u.a. mit Luther Allison, Ray Charles und Al Jarreau und regelmäßigen
fünfstelligen CD-Verkäufen zählen sie als das erfolgreichstes Projekt dieser
Art in Europa. Und ihre Fangemeinde wächst weiter – denn wen sie einmal in
ihrem Bann gezogen haben mit ihrer Musik und v.a. ihrer Performance, der kommt
so schnell nicht wieder von ihnen los. Nach Live-DVD/2-CD und dem
2005er-"Covered"-Album erscheint jetzt ihr 6. Studio-Album, auf dem
sie es erneut schaffen, ihrem Sound neue Aspekte hinzuzufügen. Zeitpunkt-Redakteur
Ralf Koch sprach mit dem gebürtigen Leipziger, Thomas Fellow.
Es sind 5 Jahre seit
der letzten Studio CD vergangen, lag es daran, dass Euch nicht früher die Muße
gepackt hat, um neue Songs zu schreiben?
Wir waren sehr viel auf
Tour und hatten in der Zwischenzeit sowohl eine Live-DVD (und Doppel-CD) als
auch eine Zusammenstellung bereits veröffentlichter und neu aufgenommener
Cover-Versionen herausgebracht. Aber natürlich war es auch für uns nun höchste
Zeit für ein neues Album mit eigenen Songs.
Ein Großteil der
Songs sind also im letzten Dezember entstanden – gab es davor schon Skizzen,
oder habt Ihr "bei 0" angefangen? Einige Songs sind ja auch nur von
Dir, bzw. Constanze allein.
Die ganze Musik ist in
einem wirklich sehr kurzen Zeitraum entstanden - zwischen Herbst vorigen und
Frühjahr diesen Jahres. Davon immerhin die Hälfte während eines nur dreitägigen
Probecamps in Mecklenburg. Aber mit Songs ist es ähnlich wie mit der Liebe –
sie kommen nicht, wenn man sie erwartet. Und manchmal bedarf es eben auch eines
Ortswechsels, um in die richtige Stimmung zu kommen.
Viele Bands haben ihre
Alben ja auf diese Weise geschrieben – eine intensive gemeinsame Zeit fernab
nahezu jeglicher „Zivilisation“ (oder zumindest von Telefon und Fernsehen). Und
siehe da, schon nach wenigen Stunden war der ganze Kopf frei für Musik.
Was hat sich
musikalisch geändert, was ist gleich geblieben?
Was wir angestrebt haben,
war ein abwechslungsreiches Album aus einem Guss. Um dies zu erreichen, haben
wir großes Augenmerk auf die Stimmung und Atmosphäre beim Schreiben wie beim
Aufnehmen der Songs gelegt. In diesem Zusammenhang haben sich automatisch auch
neue akustische Wege ergeben. Also: für uns „neu“. Das Spiel mit Delays zum
Beispiel, oder das Verbinden verschiedener Songs. Die Auswahl der Klangfarben
war uns immens wichtig – wie ein Maler sein Material auswählt oder ein Koch
seine Zutaten und Gewürze.
Entsteht nach 15
Jahren Akustik-Grooves mit Friend n Fellow nicht auch irgendwann der Wunsch,
mal etwas zu ändern?
Wenn man die richtige
Person gefunden hat – was in der Musik sicher ebenso schwer ist wie im
richtigen Leben – kann es unendlich spannend sein. Diese besondere Interaktion
macht uns schließlich auch aus – sonst würden wir vielleicht klingen wie
irgendeine andere Band.
Hin und wieder gönnen wir
uns dennoch einen Ausflug in unbekannte Gefilde, wie. z.B. mit der Leipzig Big
Band oder einem kammermusikalischen Streicher-Ensemble. Aber auf Dauer würde
uns da wohl doch was fehlen ohne die Freiheit, die ein Duo ermöglichen kann.
2003 erschien die
Live CD/DVD – inwieweit lässt sich so die Magie Eurer Konzerte festhalten? Die
Rezensionen Eurer Auftritte lesen sich geradezu unglaublich euphorisch!
Wir haben EIN Konzert festhalten. Also ist es eher eine
Momentaufnahme - wie ein Photo. Wer einige Male live dabei war und auch die
Atmosphäre direkt wahrgenommen hat, erfährt sicher mehr über uns und hat ein
intensiveres Erlebnis. Live ist eben live.
Aber diese DVD könnte zumindest ein Anfang sein.
Ihr hattet immer mal
Coverstücke auf Euren CDs – hat sich diese Kapitel mit dem expliziten
"Covered" Album (2005) erledigt?
Wir haben vor 15 Jahren
mit Coversongs angefangen und hatten den Wunsch, uns mal ganz auf diesen Ansatz
zu konzentrieren. Die Interpretation ausgewählter Songs anderer Musiker wird
für uns sicher immer interessant bleiben. Aber die Beschränkung auf dieses
Thema war wirklich nur für den Zeitraum der Covered-Tour gedach –allerdings
wurde die Tour dann doch einige Monate länger als ursprünglich geplant.
Wobei sich mir da die
Frage stellt, ob es nicht besser ist, das zu mischen, als ein ganzes Coveralbum
an sich zu machen?
Der große Erfolg des
Albums und der Tour spricht für dieses Konzept. Aber, für alle Freunde des
„Mischens“: jetzt wird bei FNF wieder gemischt!
Auch live habt Ihr
immer wieder verschiedene Coverstücke im Programm – wonach ergibt sich deren
Auswahl?
Nur wirklich starke Songs
funktionieren in einer derartig reduzierten, auf das Wesentliche beschränkten
Interpretationsform. Aus unserer Sicht gab es davon in den 60er bis 80er Jahre
viel mehr als heutzutage. Dabei ist es zunächst keine Frage der Stilistik oder
der Originalbesetzung bzw. Originalinstrumentierung. Wir müssen mit unserer
Interpretation eh unseren eigenen Weg gehen. Viel wichtiger ist die Substanz,
die Struktur, der Ausdruck. In diesem Zusammenhang ist es auch interessant,
dass Constanze vornehmlich Songs wählt, die von Männern geschrieben und
gesungen wurden.
Inwieweit variiert
diese Auswahl innerhalb einer Tour – wie auch das ganze Programm?
Die Dramaturgie des
Programms bleibt über einen relativ langen Zeitraum konstant. Was sich wirklich
verändert, ist die Interpretation der Songs. Und das Publikum spielt in diesem
Zusammenhang eine ganz wichtige Rolle. Es sorgt für die Atmosphäre, welche uns
vorantreibt. Es ist sozusagen ein interaktives Spiel.
Ihr tretet regelmäßig
über das Jahr verteilt, aber dann doch immer nur für ein paar Tage in Folge
auf. Hängt das mit Deinen anderen Verpflichtungen zusammen?
Auch. Aber es ist auch
eine notwendige Form der Regeneration. Über zwei Stunden nur zu zweit auf einer
Bühne zu stehen ist wirklich anstrengend – körperlich und psychisch. Und wir
wollen das ja gern noch ein paar Jährchen machen... jetzt, wo es so schön ist!
Was bedeutet der
Titel des neuen Albums?
In diesem Song geht es um
einen Mann, der erst zur Ruhe kommen kann, wenn er gefunden hat, wonach er
suchte – einen Kristall. Oft kann das Suchen ja wirklich spannend sein. Aber
manches findet man eben erst, wenn man nicht mehr danach sucht.
Hast Du ein
Lieblingsstück auf dem neuen Album?
Ich mag sie alle. Und in dieser
Zusammensetzung entfalten sie nach unserer Meinung auch alle ihre individuelle Stärke, ergänzen sich gut.
Ansonsten geht es uns wie den meisten Hörern: die jeweilige Stimmung
entscheidet über den Lieblings-Song. Und manche Schönheit entpuppt sich auf den
zweiten Blick.
Wie wichtig sind Eure
Textinhalte?
Der Text muss zum einen
durch die Musik transportiert werden können, ihr also nahe sein. Außerdem ist
der Klang der Worte sehr wichtig für unsere Musik, eben weil jedes Detail
zählt. Constanze wählt deshalb immer sehr persönliche und oft phantasievolle
Themen für die Texte.
Ihr stellt am 25.
November die "Kampfhymne" für den Comeback-Kampf von Axel Schulz –
insofern ja etwas ungewöhnlich, weil "Light my Fire" in Eurer Version
ja nicht gerade eine Hymne ist, oder?
Axel suchte nach einer
Musik, die ihn motiviert und intensiv einstimmt und fand sie für sich in dieser Interpretation. Für eine Hymne im
traditionellen Sinn ist er als Typ sicher auch zu individuell und cool.
Ungewöhnliche Situationen erfordern eben ungewöhnliche Maßnahmen.
Du bist seit 1991 mit
– der sehr attraktiven – Constanze Friend – als "musikalisches Paar"
unterwegs, habt aber beide eigene Familien – kommt es da nicht auch manchmal zu
"Reibereien"?
„Reibereien“ entstehen ja in erster Linie durch
Unsicherheit. Nach inzwischen 15 Jahren wissen wir inzwischen genau, was wir
wollen und wie wir uns gemeinsam abstimmen und ergänzen. Früher war das alles
viiiel schwieriger als heute.