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Noch Anfang des
Jahrzehnts präsentierte sich der irische Flitzefinger an der Seite von Skunk
Anansie-Bassist Cass Lewis und Primal Scream-Drummer Darrin Mooney in dem sehr
Groove-orientierten Projekt SCARS – einem weiteren der vielen musikalischen
Experimente, die bei Gary Moore nicht sehr lange gehalten haben. Hardrock in
den 70ern (Thin Lizzy, Skid Row) und 80ern (solo) und Sound-Experimente in den
90ern, sie alle waren schon immer wieder unterbrochen von der Hinwendung zum Blues
– in Projekten wie Colosseum II oder BBM oder dem Beginn seiner
Blues-Solo-Karriere, die ihm in den frühen 90ern seine größten Erfolge beschert
hat und dem, so sagt er heute, sein ganzes Herz gehört. Aktuellstes Resultat
ist das Album „Close as You get“.
Du kehrst also immer
wieder zum Blues zurück
Ja, ich bin ein Blues-Musiker, da ist das nicht ungewöhnlich. Ich hatte bei Planet Rock sechs Doppelstunden Blues-Radiosendungen gemacht und habe mich dafür ein bisschen tiefer mit der Sache beschäftigt. Und dabei hab ich eben auch solche Sachen wie „Thirty Days“ oder den Son House-Song „Sundown“ wieder entdeckt.
In Deiner eigenen
Plattensammlung?
Ja, da waren Sachen dabei, die ich Jahrhunderte nicht gehört hatte. Und darunter eben auch solche Acoustic-Blues-Sachen wie „Sundown“, was für mich auch das erste Mal war, einen Blues-Song auf der akustischen aufzunehmen. Ich stand früher gar nicht so auf Leute wie Robert Johnson aber plötzlich hörte ich das wieder und es klickte.
Hat das was mit Alter
zu tun?
Ja, bestimmt, und das ist gut so, denn ich denke, es erweitert meine Musik. Ich war früher hauptsächlich vom Chicago Blues beeinflusst. Und es schön, sich noch was für später aufzuheben….
…wenn man sich vom
Rock früherer Tage verabschieden möchte…
Ja! Rock ist für Kids! Es tut mir Leid, aber das ist nichts mehr für mich. Sieht doch lächerlich aus, wenn alte Daddies meinen, sie müssten rocken. Ich will jetzt keine Namen nennen. Und ich spreche auch nicht über die Stones, die machen ja keinen Hardrock. Aber diese Bands aus den Siebzigern und Achtzigern, hey, das sind doch heute gar nicht mehr dieselben Leute!
Ich wollte auch gar
nicht auf Deine Hardrockzeit anspielen…
Da war ich ein anderer. Ganz ehrlich, wenn ich das heute höre, klingt das wie ein anderer Gitarrist für mich.
Aber auch Deine
ersten Blues-Alben waren rockiger.
Ja, und ich spiele auch immer noch die Sachen, ich bin immer noch ein Rock-Gitarrist, aber mein Set ist heute sehr viel abwechslungsreicher. Diese Bandbreite hatte ich anfangs ja gar nicht – geschweige denn, dass sie jemand hätte hören wollen. Ich hatte jahrelang Hardrock gemacht, da hätte ich nicht plötzliche ein Akustikalbum aufnehmen können, das hätte keiner hören wollen. Also war ich ein Rockgitarrist, der versucht hat, ein Blues-Album aufzunehmen. Und um ehrlich zu sein, nur das hat mir geholfen, damit Erfolg zu haben.
Coversongs sind recht
typisch im Blues – warum sind sie da so essentiell?
Weil es so viele große Songs gibt. Und weil der heutige Blues oft kein richtiger Blues mehr ist, manche sagen, nicht mal meine Musik ist Blues. Aber wenn ich die Songs der großen Meister spiele, dann ist das richtiger Blues. Und ich habe versucht, meine Songs so nah wie möglich daran zu bringen. Und außerdem: Alle haben gecovert – BB King, Jimi Hendrix, die Beatles, die Stones – also warum sollte ich das nicht machen?
Würdest Du gerne noch
einmal so einen massiven Erfolg wie mit „Still got the Blues“ haben?
Man will immer viele Platten verkaufen – aber so groß wird das nicht mehr werden. „Still got..“ kam zur richtigen Zeit. In den 80ern ging es in der Musik nur noch ums große Geld, Computer hielten Einzug im Pop, große Produzenten designten die Hardrockbands, alles wurde nur noch auf Kommerz zugeschnitten, und ich glaube, dass darauf in den Neunzigern keiner mehr Lust hatte. Und es gibt nichts Ehrlicheres und natürlicheres und menschlicheres als den Blues, und ich glaube, das hat auch den Leuten gefehlt, die das Album gekauft haben und die das sogar ins Radio gebracht haben. Ich hatte eh keine Lust mehr auf diese Rock-Sache und suchte den Ausgleich eben im Blues.
Du versuchst also gar
nicht mehr, an alte Erfolge anzuknüpfen?
Das hab ich noch nie versucht. Auch mit “Still got the Blues“
wollte ich nur ein Blues Album machen – in meiner unschuldigen, dummen Art
eigentlich. Ich wusste gar nicht, was ich tat, und dachte eigentlich, die Leute
würden es hassen. Aber ohne eine dieser Riesen Balladen kommt man eh nicht ins
Radio, so ist das Leben. Und außerdem sind wir nicht mehr in den 90ern, Blue
erlebt zwar immer wieder ein kleines Revival, aber nicht im großen,
kommerziellen Stil. Aber ich habe schon ein paar dieser Hits geschrieben – also
wenn ich das schon al konnte, warum nicht auch ein weiteres Mal? „Parisienne Walkways“, „Out in the
Fields“, Over the Hills“, “Wild Frontiers”, “The Loner” – ich hatte schon ein
paar Hits…
Der “The Loner”-Hit
war wohl die größte Überaschung, oder?
Ja, wie man sieht, man kann es nie vorhersagen. Aber ich bin da eh in einer etwas einzigartigen Position – es gibt nicht viele Gitarristen, die in Rockbands gespielt haben, und solo Erfolge hatten. Da war ich schon in einer glückliche Position.
Du hast also alles
richtig gemacht?
Nein, nein, nein! Ich hab gesagt, ich hatte Glück! Nein,
niemand macht alles richtig. Man kann nur machen, was sich zur jeweiligen Zeit
richtig anfühlt. Und wenn man damit rauskommt, fein. Aber wenn nicht, sollte
man sich trotzdem nicht entmutigen lassen. Das sage ich jungen Gitarristen
immer: egal wo, spielt einfach!